Fragen an Melanie Sack

Digitalisierung

Frau Sack, am 1. April 2018 haben Sie die Position als geschäftsführendes Mitglied des IDW Vorstands übernommen. Ganz aktuell ist das Thema Digitalisierung dazugekommen. Was geschieht hier? Wegen der rasanten Entwicklung stehen wir bei allen Themen zur Digitalisierung in einem engen Austausch mit unseren Mitgliedern. Bereits im Oktober 2017 haben wir mit einem Trendwatch-Positionspapier die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Finanzberichterstattung und die Unternehmensbewertung dargestellt.

„Technologien revolutionieren Prozesse und verändern Wertschöpfungsketten”
Melanie Sack



Darin erläutern wir, wie die neuen Technologien die unternehmerischen Prozesse revolutionieren, die Wertschöpfungsketten verändern und bewährte Geschäftsmodelle obsolet machen können. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Unternehmenskennzahlen und kann in der Folge auch die herkömmlichen Bewertungsansätze infrage stellen. Auf die hierdurch neu entstehenden Anforderungen an die Unternehmen und Wirtschaftsprüfer geht das Papier im Detail ein.
Weiterhin beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Abschlussprüfung. In Unternehmen entstehen immer mehr Daten, sei es aus den klassischen Geschäftsprozessen und den dahinter agierenden ERP-Systemen oder aus neuen Datenquellen wie Sensoren zur Überwachung oder Assistenzgeräten. Hinzu kommen noch die extern verfügbaren Daten, z. B. aus den sozialen Netzwerken. Unsere Mitglieder entwickeln Lösungen zur automatisierten Analyse dieser Daten. Dadurch ist es ihnen möglich, bisherige zeitraubende Tätigkeiten wie die Durchsicht von einzelnen Transaktionen anhand von Stichproben effizienter und teilweise über den gesamten Buchungsstoff zu analysieren. Es bleibt dann mehr Zeit zur Identifizierung und Beurteilung von ermessensabhängigen Sachverhalten wie die Bewertung von Geschäftswerten. Beim Einsatz ergeben sich einige methodische Fragen bspw. zum Umgang mit einer Vielzahl von Abweichungen vom Soll-Prozess. Hier erarbeiten wir Lösungsvorschläge in einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe. Bei den Auswirkungen der Digitalisierung auf die eigene Praxis hat das IDW die Änderung der Gesetzgebung zur Verschwiegenheit und der damit verbundenen Möglichkeit zur Nutzung von Cloud-Dienstleistungen begleitet.

„Unser Anforderungskatalog bietet Hilfestellung für die Nutzung von Cloud-Services“
Melanie Sack



Herausgekommen ist ein im April 2019 veröffentlichter Anforderungskatalog, der eine Hilfestellung zu den Möglichkeiten und Grenzen der Inanspruchnahme von Cloud Services, für die Dienstleisterauswahl sowie für die Vertragsgestaltung mit dem Dienstleister bietet. Er unterstützt unsere Mitglieder mit einer abgestimmten Berufsauffassung zur rechtssicheren Auswahl und Nutzung von Cloud-Anbietern nach § 203 StGB und §§ 50, 50a WPO.
Neben dem Austausch mit unseren Mitgliedern ist uns aber auch der Austausch mit den Hochschulen sehr wichtig. So haben wir 2018 gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Osnabrück die Akzeptanzstudie „Audit Clouds“ gestartet. Inhalte der Studie sind die Akzeptanz, Chancen und Umsetzbarkeit von Cloud-Geschäftsmodellen im Berufsstand der Wirtschaftsprüfer.
Fragen an Melanie Sack

ISA-DE

Bislang hat das IDW die International Standards on Auditing (ISA) in IDW Prüfungsstandards transformiert. Künftig werden die ISA unter Berücksichtigung nationaler Modifikationen unmittelbar angewendet. Die ersten Entwürfe der ISA-DE sind mittlerweile in der Welt. Wie ist der aktuelle Stand?
Im Dezember 2017 haben wir mit ISA 720 (Revised) (E-DE) den ersten Entwurf eines Prüfungsstandards veröffentlicht, bei dem der zugrunde liegende ISA nicht mehr in einen IDW Prüfungsstandard transformiert wurde, sondern der unter Berücksichtigung nationaler Modifikationen unmittelbar in Deutschland anzuwenden sein wird. Im November 2018 wurde das erste größere aus insgesamt zwölf Standardentwürfen bestehende Paket von ISA [E-DE] veröffentlicht. Weitere Pakete von Standardentwürfen folgten im Januar und Mai 2019, sodass mittlerweile 26 der 27 relevanten Standardentwürfe veröffentlicht sind und in unserem üblichen Due Process kommentiert werden können. Nach Erörterung der Stellungnahmen in den zuständigen IDW Fachgremien erfolgt die finale Verabschiedung der bislang veröffentlichten Standardentwürfe im Herbst dieses Jahres. Ebenfalls im Herbst soll mit ISA [E-DE] 540 (Revised) der letzte Standardentwurf das Licht der Welt erblicken. Die Finalisierung dieses Standards ist für das Frühjahr 2020 geplant. Um dem Berufsstand länger Zeit zu geben, sich auf die Anwendung insb. von ISA [DE] 540 (Revised) vorzubereiten, ist die verpflichtende Erstanwendung der ISA [DE] für die Prüfung von Abschlüssen für Berichtszeiträume vorgesehen, die am oder nach dem 15.12.2020 beginnen, also für Prüfungen, die i.d.R. im Jahr 2022 durchgeführt werden. Den Berufsangehörigen wird aber die Möglichkeit gegeben, die neuen Standards – indes nur in ihrer Gesamtheit – vorzeitig anzuwenden, d.h. für die Prüfung von Abschlüssen für Berichtszeiträume, die am oder nach dem 15.12.2019 beginnen, also für Prüfungen, die i.d.R. 2021 durchgeführt werden.
Fragen an Melanie Sack

Überlebensfähigkeit von Unternehmen

Über strategische Herausforderungen für den Berufsstand, vor allem auch über eine neue Regulierungsdebatte im Vereinigtem Königreich, wurde bereits gesprochen. U. a. wird dort diskutiert, in welchem Umfang sich der Zweck der Abschlussprüfung auch auf die künftige Überlebensfähigkeit von Unternehmen beziehen sollte. Wie ist der deutsche Berufsstand auf eine solche Debatte vorbereitet, sollte in Europa und in Deutschland eine ähnliche Diskussion aufkommen?
Das IDW hat seine Standards im Hinblick auf die Beurteilung der Risikoüberwachung und die Berichterstattung über bestandsgefährdende Risiken qualitativ deutlich weiterentwickelt. Ich möchte hier IDW PS 270 n.F. hervorheben, der unter Bezugnahme auf aktuelle BGH-Rechtsprechung konkrete Hilfestellungen zu der Frage gibt, in welchen Fällen im deutschen Rechtsumfeld eine Abkehr von der Fortführungsannahme gerechtfertigt ist und wann eine berichtspflichtige wesentliche Unsicherheit anzunehmen ist. Außerdem wird klargestellt, dass die Sicherstellung der Informationsfunktion der Rechnungslegung in der Verantwortung des Mandanten liegt, und insoweit der Mandant über wesentliche Unsicherheiten in Abschluss und Lagebericht zu berichten hat. Auch die Anforderungen an die Prüfung des Lageberichts werden mit dem IDW PS 350 n.F. deutlich fokussierter auf die verschiedenen Informationskategorien des Lageberichts abgestimmt. Dazu gehört die Beschreibung der prüferischen Befassung mit den Vorkehrungen und Maßnahmen, die das Unternehmen eingerichtet hat, um die wesentlichen Risiken der künftigen Entwicklung vollständig zu identifizieren und zu bewerten. Ein weiterer Baustein ist die Neufassung des IDW PS 340 n.F. Hier werden die Anforderungen an die Ausgestaltung und Prüfung von Maßnahmen zur Risikofrüherkennung für börsennotierte Aktiengesellschaften an die seit Verabschiedung des KonTraG fortgeschrittene Entwicklung in der Organisation und Prüfung von Risikomanagementssystemen (insb. IDW PS 981) angeglichen. Diese Maßnahmen zielen als Gesamtpaket auf eine Stärkung der Risikoüberwachung und Risikoberichterstattung. Der deutsche Berufsstand ist hier besser aufgestellt als viele europäische Berufskollegen, die zum Teil weder eine vollumfängliche Prüfung des Lageberichts noch eine Prüfung der Maßnahmen zur Risikofrüherkennung kennen.
Fragen an Melanie Sack

Bestätigungsvermerk

Beim Bestätigungsvermerk gibt es vom IDW immer wieder Neuerungen. Warum ist das so und welche sind das? Oder anders gefragt: gibt es jetzt bessere Bestätigungsvermerke?
Seit etwa 17 Jahren gab es keine grundlegenden Änderungen zum Bestätigungsvermerk. Der Bestätigungsvermerk ist im Rahmen der Ende 2017 finalisierten IDW PS 400er-Reihe neu gefasst worden, um seine Aussagekraft zu verbessern und an die Anforderungen der EU-Abschlussprüferverordnung und die internationalen Prüfungsstandards anzugleichen. Daher steht jetzt beispielsweise das Prüfungsurteil am Anfang und unmittelbar anschließend wird die Grundlage für das Prüfungsurteil erläutert. Ausführlicher als bisher werden die Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und ggf. eines Aufsichtsgremiums sowie die Verantwortung des Abschlussprüfers beschrieben. Bei der Prüfung von Unternehmen von öffentlichem Interesse ist die unternehmensindividuelle Mitteilung von besonders wichtigen Prüfungssachverhalten ein weiterer Pflichtbestandteil des Bestätigungsvermerks. Diese Maßnahmen sollen den Bestätigungsvermerk „verbessern“, indem wichtige Informationen über die Prüfung dargelegt werden. Leider ist dagegen die Komplexität des Bestätigungsvermerks durch gesetzliche Änderungen zum Inhalt des Lageberichts und durch die Anforderungen der ISA zu „sonstigen Informationen“ erhöht worden. Das IDW unterstützt seine Mitglieder durch eine Reihe von Maßnahmen:
  • Der deutlich länger gewordene Bestätigungsvermerk kann verkürzt werden, indem nur ein Teil der Beschreibung der Verantwortung des Abschlussprüfers aufgenommen wird und bezüglich der weitergehenden Beschreibung auf eine Webadresse des IDW verwiesen wird. Für die gängigsten Fallvarianten hat das IDW entsprechende Webadressen eingerichtet.
  • Muster-Bestätigungsvermerke stehen im Mitgliederbereich „Mein IDW“ als Word-Dokumente zum kostenlosen Download bereit.
  • Weitere Formulierungsbeispiele bietet der IDW Bestätigungsvermerk- Generator, der unsere Mitglieder bei der Erstellung von individuellen Bestätigungsvermerken unterstützen soll.
Fragen an Melanie Sack

Arbeitsgruppe Bestätigungsvermerk

Bleiben wir noch beim Thema Bestätigungsvermerk: Mittlerweile befasst sich eine eigene Arbeitsgruppe mit Auslegungs- und Zweifelsfragen. Warum?
Die Digitalisierung von Prüfungsberichten und Bestätigungsvermerken wirft ganz praktische Fragen auf. Dazu erarbeitet die AG Hilfestellungen für die Praxis. Darüber hinaus eröffnen diese Praxisfragen aber regelmäßig ganz grundsätzliche Probleme. Denn die einschlägigen Vorschriften vor allem des HGB haben Papierdokumente vor Augen. Es stellt sich die Frage, wie die Anforderungen in die digitale Welt zu übertragen sind. Die Ergebnisse stehen im Fragen-Antworten- Format auf der IDW Website zur Verfügung.
Fragen an Melanie Sack

Expedition Wirtschaft

Herr Naumann hat die Nachwuchsförderung als ein besonders wichtiges strategisches Thema herausgestellt. Schon 2013 hat das IDW eine erste Imagekampagne ins Leben gerufen, die über den Beruf des Wirtschaftsprüfers aufklärte. Seit 2017 gibt es nun die „Expedition Wirtschaft“, die sich an Studierende richtet und z. B. Tagespraktika vermittelt. Was hat sich hier in den letzten beiden Jahren getan?
Die Expedition Wirtschaft hat seit ihrem Start im Jahr 2017 ordentlich an Fahrt aufgenommen. Mittlerweile haben ca. 700 Studierende eine PraktiCard für Tagespraktika erhalten und insgesamt ca. 1200 Kontaktanfragen an die 170 teilnehmenden Niederlassungen von IDW Mitgliedern verschickt.
„Die Expedition Wirtschaft gibt Studierenden Orientierung für eine Berufsentscheidung zum Wirtschaftsprüfer“ Melanie Sack

Nachdem sich die Tagespraktika langsam etablieren konnten und an Bekanntheit sowie Beliebtheit in der Zielgruppe der Studierenden gewinnen, arbeiten wir aktuell an der Ausdehnung des Angebots. Zum Beispiel soll die PraktiCard in Zukunft auch zur Teilnahme an Workshops und anderen Veranstaltungen berechtigen. Beispielsweise haben wir im Mai 2019 einen Workshop zum Thema „Berufliche Orientierung“ mit unserer Bloggerin Jannike Stöhr veranstaltet. IDW Mitglieder können ihre Veranstaltungen, die sich an Studierende wenden, bei uns bekannt machen oder auch als Mitveranstalter Workshops ausrichten. Bei den Maßnahmen setzten wir künftig noch mehr auf Bewegtbilder. Um unentschlossene Studierende zu aktivieren, möchten wir z. B. Einblicke in den Ablauf der Tagespraktika gewähren.
Fragen an Melanie Sack

Jung-WP-Forum

Was gibt es sonst noch an Initiativen für den Nachwuchs?
Das IDW bietet den Examenskandidaten einen Vorbereitungskurs auf die mündliche Prüfung des WP-Examens an. Hierbei vermitteln Fachreferenten des IDW eine Vielzahl der aktuellen Prüfungs- und Rechnungslegungsthemen in Form einer „Druckbetankung“. Bei den Examenskandidaten ist der Kurs inzwischen zu einer festen Größe geworden. Auch nach dem bestandenen Examen lassen wir die jungen Wirtschaftsprüfer nicht allein. Das Jung-WP-Forum richtet sich an alle Personen, die in den letzten fünf Jahren Wirtschaftsprüfer geworden sind. In Düsseldorf und in Baden-Baden diskutieren wir zweimal jährlich Themen, die speziell diese Gruppe betreffen. So haben wir in den vergangenen Jahren über das künftige Berufsbild des Wirtschaftsprüfers, Entwicklungspotenziale oder die zentralen Herausforderungen des Berufsstands gesprochen. Bei einzelnen Veranstaltungen wird es aber nicht bleiben: Die jungen Wirtschaftsprüfer sind ausgesprochen dynamisch, kreativ und gut vernetzt. Es freut uns daher außerordentlich, dass sich eine Gruppe der Jung-WP in die Arbeit des Fachausschusses Trendwatch einbringt.
Fragen an Melanie Sack

Public Relations

Frau Sack, in Ihre Zuständigkeit fällt nach wie vor das weite Feld „Public Relations“. Wie positioniert sich das IDW bei den unterschiedlichen Zielgruppen?
An erster Stelle steht beim IDW der ständige Austausch mit unseren Mitgliedern. Wenn man aber die Reputation des Berufsstands positiv beeinflussen möchte, muss die Kommunikation auch externe Adressaten erreichen. Deswegen werden zunehmend auch andere Stakeholder relevant – als Inputgeber für die Weiterentwicklung des Berufsstands oder auch als Adressat für unsere Kompetenz und Relevanz.
Können Sie das näher erläutern?
Politische und wirtschaftliche Entwicklungen setzen entscheidende Meilensteine für Wohlstand und Fortschritt in unserer Gesellschaft. Um bspw. die Expertise der Wirtschaftsprüfer auf der gesellschaftspolitischen Ebene in den Fokus zu rücken, befasst sich das IDW seit einiger Zeit intensiv mit wirtschaftsnahen Themen, die eine besondere gesellschaftliche Relevanz haben. Dafür beobachtet z. B. der Ausschuss „Trendwatch“ aktuelle Wandlungsprozesse, ordnet sie ein und zeigt auf, wie unsere Wirtschaft und Gesellschaft von welchen Veränderungen betroffen ist. Daraus sind spannende Positionspapiere zur Schuldenbremse, zur Sozialen Marktwirtschaft, zum externen Reporting und zum Reporting kapitalmarktorientierter Unternehmen entstanden. Die Papiere richten sich nicht primär an den Berufsstand, sondern gerade an die Öffentlichkeit, Unternehmen und die Politik. Sie verdeutlichen die gesellschaftspolitische Relevanz des Berufsstands und fördern langfristig die Reputation. Das gleiche Ziel verfolgt unsere Pressearbeit: Wir stehen bei fachlichen Themen, die ja durchaus komplex sein können, als Ansprechpartner zur Verfügung und helfen damit Journalisten bei der Einordnung von Zusammenhängen. Darüber hinaus bieten wir in unregelmäßigen Abständen Presseworkshops zu neuen oder besonders relevanten Themen. So hatten wir Workshops zu den Themen „Vorbereitung auf die Bilanzpressekonferenzsaison 2018“, „Kryptowährung und Blockchain“ sowie „Sustainable Finance – wie liest man einen Nachhaltigkeitsbericht“. Ein weiterer wichtiger Stakeholder ist die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, kurz DPR, mit der wir einen guten, vertrauensvollen Austausch pflegen. Hervorheben möchte ich den traditionellen Erfahrungsaustausch zwischen DPR und mittelständischen WP-Praxen, den wir nunmehr seit acht Jahren zu Beginn eines Jahres als Gastgeber ausrichten. Die Veranstaltung erhält Jahr für Jahr einen großen Zuspruch. Positive Resonanz haben wir auch zu unserem Stakeholder-Meeting zur Abschlussprüfungsregulierung erhalten. Unternehmensvertreter berichteten über ihre Herausforderungen bei der Ausschreibung der Abschlussprüfung und bei der Umsetzung der neuen Vorgaben zum sog. Fee Cap. Dies führte zu munteren Diskussionen der teilnehmenden Wirtschaftsprüfer, Berufsaufsicht, Aufsichtsräte, Unternehmens-, Aktionärs- und Gewerkschaftsvertreter sowie Hochschullehrer. Zu den Stakeholdern zählen auch die Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse aus den DAX30-Unternehmen. Ende 2017 hat der IDW Vorstand beschlossen, in einem Newsletter, dem „IDW Aufsichtsratsradar“, über aktuelle Themen zu informieren. Dazu gehören beispielsweise der Corporate Governance Kodex, die Meldepflicht bei grenzüberschreitenden Steuergestaltungen oder die Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie. Das IDW pflegt zudem einen intensiven Kontakt zu den Hochschulen. Dort wird der fachliche Grundstein für die Expertise von Rechnungslegung und Prüfung gelegt und nicht zuletzt entscheidet sich der Berufsnachwuchs an den Universitäten für unseren Beruf. Umso wichtiger ist es daher, dass Praxis und Lehre in regelmäßigem Austausch stehen. Der enge Austausch zeigt sich nicht zuletzt in den Gesprächskreisen Hochschule / Wirtschaftsprüfung und Fachhochschule / Wirtschaftsprüfung.
Fragen an Melanie Sack

Informationskanäle des IDW

Die Formate, mit denen das IDW sich an die Mitglieder wendet, werden immer wieder aktualisiert. Was ist im Berichtszeitraum geschehen?

„Die IDW Kommunikation muss unseren Mitgliedern einen Mehrwert verschaffen“
Melanie Sack


Das IDW nutzt zahlreiche Kanäle, um seine Mitglieder zu erreichen und zu informieren. Für die fachliche Fortbildung stehen Videoaufzeichnungen von Vortragsveranstaltungen zur Verfügung. Diese decken das breite Spektrum der Tätigkeiten unseres Berufsstands ab. Wir haben in den letzten zwei Jahren neben Videos zu den Kernbereichen Bestätigungsvermerk und Abschlussprüfung solche zur Unternehmensbewertung, zur Prüfung von Risikomanagementsystemen, zur IT-Prüfung und zu Non-Profit-Unternehmen veröffentlicht. Auch die rechtlichen und steuerrechtlichen Themen wie Unternehmenssteuerrecht, Umsatzsteuer und höchstrichterliche Rechtsprechung sind dabei. Dieses Format ist unter anderen deshalb sehr beliebt, weil für den Abruf der Videos ein Fortbildungsnachweis ausgestellt wird. Neben Vorträgen informieren wir regelmäßig in kurzen aktuellen Podcasts über Fachliches aus dem IDW. Wer es ganz aktuell haben möchte, kann dem IDW auf Twitter folgen. Seit April 2018 twittern wir über neue Verlautbarungen und Stellungnahmen, Veranstaltungen und Positionspapiere sowie live von Events wie der IDW Arbeitstagung.
Fragen an Melanie Sack

Energiewirtschaft

Kommen wir zu fachlichen Themen: In der Energiewirtschaft beobachten wir immer wieder eine Häufung von Gesetzesänderungen, oft auch rückwirkend, die sich auf die Prüfung auswirken. Warum ist das so und wie reagiert das IDW darauf?
In den Zeitraum dieses Tätigkeitsberichts fallen z. B. sechs Gesetzesänderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Teilweise handelt es sich nur um Korrekturen von Fehlern, in der Regel sind es aber Änderungen, die die Energiewende in Deutschland weiter vorantreiben und gleichzeitig vermeintliche Schlupflöcher schließen sollen. Wo es finanzielle Privilegien gibt, schießen die „missbräuchlichen“ Gestaltungen leider wie Pilze aus dem Boden. Unter der Komplexität und Bürokratisierung haben dann alle zu leiden. Die Komplexität der Energiegesetze hat derart zugenommen, dass diese vielleicht sogar die Steuergesetzgebung übertreffen. Bereits im Herbst 2016 hat das IDW bei einem Fachgespräch der Clearingstelle EEG darauf hingewiesen, dass die Komplexität und Volatilität der Energiegesetze die Gefahr von unbeabsichtigten Fehlern auf der Mandantenseite erheblich erhöht und gleichzeitig auch das Risiko von Haftungsfällen für den Berufsstand. Im Hinblick auf die Besondere Ausgleichsregelung kommt erschwerend hinzu, dass die BAFA-Merk- und Hinweisblätter teilweise erst sechs bis acht Wochen vor dem Ende der Antragsfrist veröffentlicht werden. Daher haben wir im Mai 2019 das BAFA und das BMWi mit der dringenden Bitte angeschrieben, dass die Beteiligten künftig auf die frühzeitige Veröffentlichung hinwirken sollten. Sowohl das BAFA als auch das BMWi haben um Verständnis für die aktuelle Situation gebeten, aber signalisiert, das Anliegen des IDW für die Zukunft zu unterstützen. Unabhängig davon bringen wir uns zum einen in die Gesetzgebungsverfahren ein, weisen die Behörden auf Probleme und offene Fragen hin und stimmen uns mit anderen Akteuren ab, z. B. den Übertragungsnetzbetreibern und den Branchenverbänden. Außerdem unterstützen wir den Berufsstand mit inzwischen 15 IDW Prüfungshinweisen zu den Besonderheiten bei Prüfungen im Zusammenhang mit energierechtlichen Vorschriften. Neu hinzugekommen sind vier Hinweise für Prüfungen im Bereich der Konzessionsabgabe Strom (IDW PH 9.970.60 bis IDW PH 9.970.63). Wegen der volatilen Gesetzgebung müssen einige der IDW Prüfungshinweise jährlich aktualisiert werden. Um diese Anpassungen praktikabel zu gestalten, stellen wir im Mitgliederbereich „Mein IDW“ inzwischen zeitnah jeweils eine Änderungsfassung zur Verfügung, in der die Änderungen an dem betreffenden IDW Prüfungshinweis im Vergleich zur Vorgängerfassung kenntlich gemacht sind. Dieses Jahr haben wir kurzfristig auch drei Seminare bei der IDW Akademie zu den Auswirkungen des Energiesammelgesetzes auf die Besondere Ausgleichsregelung angeboten und werden dies aufgrund des großen Erfolges in Zukunft wiederholen.
Fragen an Melanie Sack

Öffentliche Rechnungslegung

Lassen Sie uns über öffentliche Rechnungslegung und Prüfung sprechen: Das IDW ist mehrfach in die Öffentlichkeit getreten, um auf die Bedeutung dieses spannenden Themas aufmerksam zu machen. Bitte erzählen Sie!
Das Thema Doppik für Gebietskörperschaften und die Harmonisierung der Rechnungslegung in der EU durch die EPSAS, das heißt die European Public Sector Accounting Standards, beschäftigt den Berufsstand seit langem. Anlass für ein offensiveres Auftreten des IDW war der Sonderbericht des Bundesrechnungshofs im November 2017. Der Bundesrechnungshof hat sich mit nicht konsistenten Argumenten gegen die Einführung der EPSAS ausgesprochen und erhob nebenbei unsachliche Vorwürfe gegen die Wirtschaftsprüfer insgesamt. Das wollten wir so nicht stehen lassen. In einem offenen Brief haben wir einige Punkte klargestellt. Darin haben wir auch unser Unverständnis geäußert, dass sich der BRH – anders als in der Vergangenheit – gegen eine Verbesserung der Rechnungslegung auf Bundesebene ausspricht, obwohl doch offenkundig in der Vermögensrechnung des Bundes bis heute wesentliche Posten wie das Anlagevermögen einschließlich des Infrastrukturvermögens und viele Rückstellungen fehlen. Dies hat zu einem öffentlichkeitswirksamen Austausch zwischen IDW und Bundesrechnungshof geführt, welcher der Diskussion in Deutschland neue Impulse gibt. Im Februar 2019 haben wir ein weiteres IDW Symposion zu EPSAS in Berlin ausgerichtet. Es sollte darum gehen, wie alle Beteiligten dazu beitragen können, dass sich Deutschland aus seiner Außenseiterrolle vorwärts bewegt. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg: Wir hatten rund 140 Teilnehmer – aus allen Bereichen: Vertreter der Parlamente, Bundesministerien, Finanz- und Innenministerien der Länder, Kommunen, Sozialversicherung, Landesrechnungshöfe, der Wissenschaft sowie des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer. Es ist uns gelungen, die Diskussionsrunden hochkarätig zu besetzen. Fazit der Veranstaltung: Die EPSAS werden kommen, weil die periodengerechte Rechnungslegung das überlegene System ist. Deutschland allein wird diesen Prozess nicht aufhalten können. Deshalb appelliert das IDW an die Bundesorgane, sich aktiv mit dem Thema zu beschäftigen. Mit dem Positionspapier „Rechnungslegung der öffentlichen Hand“ versucht das IDW, Überzeugungsarbeit zu leisten und stellt, insbesondere an Bundestag und Bundesrat gerichtet, nochmals Vorteile der Doppik zusammen. Zugleich wird aber hervorgehoben, dass die Entscheidung über ein zukunftsfähiges Rechnungslegungssystem für den öffentlichen Sektor nicht auf ein „Entweder (Kameralistik)-Oder (Doppik)“ reduziert werden sollte. Anzustreben ist hingegen eine ergänzende Sicht, ohne die bisherige (kamerale) Sicht zu verlieren. Lösungsansätze müssen somit mehrdimensional sein: Auch für Unternehmen gibt es mehrere Steuerungsgrößen.
Fragen an Melanie Sack

IDW Verlag

Lassen Sie uns zu anderen Bereichen des IDW übergehen, z. B. dem IDW Verlag. Welche neuen Produkte sind ins Verlagsprogramm aufgenommen worden?
Im Berichtszeitraum ist die WPH Edition, eines der Kernprodukte des Verlagsprogramms, um die Themenbände „Assurance“, „Sanierung und Insolvenz“, „Bewertung und Transaktionsberatung“ und „Versicherungsunternehmen“ gewachsen. Wir decken somit bereits ein breites Leistungsspektrum unserer Mitglieder ab. Zudem ist der neue Hauptband bereits zum zweiten Mal seit dem Relaunch erschienen.

„Beim IDW Qualitätsmanagement Handbuch liegt der Fokus auf der digitalen Anwendung“
Melanie Sack


Das IDW Praxishandbuch zur Qualitätssicherung ist grundlegend überarbeitet worden: aus QSHB wurde QMHB (IDW Qualitätsmanagement Handbuch). Künftig werden die Kapitel Qualitätssicherung, Jahresabschlussprüfung und Konzernabschlussprüfung als separate Module einzeln zum Download angeboten und in einer neuen Oberfläche zur Bearbeitung zur Verfügung stehen.
Der Fokus liegt eindeutig auf der digitalen Anwendung. Neue Module zu anderen Tätigkeitsbereichen des Wirtschaftsprüfers kommen hinzu, so z. B. für die Abwicklung von Erstellungsaufträgen nach IDW S 7. Hier stehen den Kolleginnen und Kollegen eine prozessorientierte Navigation sowie praxisorientierte, zum Teil konfigurierbare Arbeitshilfen zur Verfügung. Die weiteren Neuerscheinungen im Verlagsprogramm haben eine stark praxisbezogene Ausrichtung. So geben beispielsweise die Autoren der Reihe Praxistipps IT, wie der Name bereits vermuten lässt, konkrete Hinweise zum Umgang mit IT-Themen wie SAP, Cloud-Computing oder JET in der täglichen Arbeit. Die Struktur eines Musterprüfungsberichts wird direkt als bearbeitbare Worddatei ausgeliefert, die zu zahlreichen Abschnitten bereits exemplarische Formulierungen enthält und einfach an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann.
Fragen an Melanie Sack

IDW Akademie

Die IDW Akademie hat begonnen, Fortbildung als sogenannte eLecture anzubieten. Was passiert da und ist das ein tragfähiges Zukunftsmodell?
Präsenzseminare sind wichtig und bieten die Möglichkeit, sich einerseits sehr intensiv mit einem fachlichen Thema auseinanderzusetzen und andererseits auch Kontakt zu Kollegen mit gleichgelagerten Herausforderungen zu suchen.
„E-Learning ergänzt unsere Präsenzseminare“
Melanie Sack

Präsenzseminare können und sollen nicht durch e-Learning ersetzt werden. Mit den neuen eLectures möchten wir aber ein komplementäres Angebot schaffen: Junge Menschen lernen heute zunehmend bedarfsorientiert, in kleineren Einheiten und örtlich ungebunden. Allerdings sind unsere Themen oft sehr komplex und können in 5-Minuten-Podcasts nicht umfassend dargestellt werden. Das Format der eLectures halten wir daher für einen guten Kompromiss: In den etwa einstündigen Lernvideos kann eine ausreichende Stoffmenge vermittelt werden, gleichzeitig werden aber auch moderne Lernkonzepte realisiert.
Dem Wunsch nach kürzeren Schulungen kommen wir auch bei den Präsenzseminaren nach: Bei der Akademie bieten wir nun auch Halbtagesseminare an. Ebenso haben wir die Anzahl der Themen in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet und bieten unter anderem zahlreiche IT-Themen wie Praxisschulungen zu SAP und Excel, Praxisseminare zur Prüfung von IT-Systemen oder Seminare zu Business Analytics an.