Fragen an Herrn Dr. Feld

Digitalisierung: Das IDW unterstützt seine Mitglieder

Herr Dr. Feld, für den Berufsstand und damit auch für das IDW nimmt das Thema Digitalisierung einen immer breiteren Raum ein. Sie selbst haben die Rolle des Chief Development Officer des IDW übernommen. Wie kann das IDW seine Mitglieder hier unterstützen?
Es ist richtig, dass die Digitalisierung auch unseren Berufsstand vor große Herausforderungen stellt, die bis in die Geschäftsmodelle der Praxen hineinreichen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass es sich hierbei nicht um eine „große Welle“ handelt, sondern dass die Digitalisierung eher in vielen kleinen Einzelschritten kommt. Hinzu kommt, dass der Begriff Digitalisierung häufig sehr weit gefasst ist und darunter viele unterschiedliche Schlagworte wie Big Data, Industrie 4.0 oder Blockchain fallen. Daher hat das IDW Gespräche mit seinen Mitgliedern geführt und daraus resultierend die Herausforderungen der Digitalisierung in mehrere Handlungsfelder unterteilt. Diese sind auch nicht abschließend, sondern müssen im Zeitablauf weiterentwickelt werden. Klar scheint mir aber, dass damit die Rolle des IDW über die der „Fachabteilung des Berufsstands“ hinauswächst. Im ersten Handlungsfeld wird die Außenwahrnehmung des Wirtschaftsprüfers im digitalen Zeitalter betrachtet. Hier wollen wir den Berufsstand als digitalen Begleiter und Partner der Unternehmen über die Abschlussprüfung hinaus positionieren. In diesem Zusammenhang veranstalten wir am 17. Oktober 2017 in Düsseldorf gemeinsam mit dem BDI einen Digital Summit, der sich gezielt an Unternehmen und deren Vertreter richtet und deren Bewusstsein für die Stärken des Wirtschaftsprüfers beim Thema Digitalisierung schärfen soll. Weiterhin betrachten wir die Auswirkungen der technologischen Innovationen auf die Abschlussprüfung, der Kerntätigkeit des Wirtschaftsprüfers. Hier ergeben sich neue methodische Fragen, da die Prüfungsstandards in einer anderen technologischen Ära entwickelt wurden. Durch die zukünftig notwendigerweise breitere Ausrichtung des Berufsbilds auf prozessuale und technologische Aspekte wollen wir die Attraktivität auch bei Absolventen von bisher nicht adressierten Studiengängen erhöhen, z.B. bei Ingenieuren und Informatikern. Wir sehen allerdings, dass wir in einem verschärften Wettbewerb mit den großen Technologieunternehmen stehen. Hierin zeigt sich auch für unseren Beruf, dass traditionelle Grenzen zwischen den Branchen zunehmend verwischen. In einem weiteren Handlungsfeld wollen wir den Berufsstand bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen mit Bezug zur Digitalisierung unterstützen, z.B. aktuell mit der Veröffentlichung eines Rahmenstandards zu IT-Prüfungen außerhalb der Abschlussprüfung. Bei den Auswirkungen der Digitalisierung auf die eigene Praxis begleitet das IDW die geplante Änderung der Gesetzgebung zur Verschwiegenheit und der damit verbundenen Möglichkeit zur Nutzung von Cloud-Dienstleistungen durch Wirtschaftsprüfer. Dazu wird ein Anforderungskatalog entwickelt. Schließlich wollen wir gemeinsam mit einem IT-Dienstleister eine Kollaborationsplattform entwickeln, die dem Wirtschaftsprüfer eine digitale Kommunikationsform mit seinen Mandanten ermöglicht, und zwar jeweils bezogen auf die konkreten Workflows von spezifischen Diensteistungen. Wie Sie sehen, machen wir unsere Hausaufgaben, indem wir aktiv mit den Mitgliedern die Herausforderungen aus der Digitalisierung angehen. Dabei möchte ich betonen, dass wir die oben genannten Handlungsfelder nicht als „in Stein gemeißelt“ ansehen, sondern diese nur die aktuellen Herausforderungen darstellen und sich vermutlich im Laufe der Zeit immer wieder Anpassungsbedarf ergibt. Auch können wir sicherlich nicht Antworten auf sämtliche Fragen liefern, die sich dem Beruf durch die Digitalisierung stellen.
Die Digitalisierung kommt in vielen kleinen Einzelschritten.
Dr. Klaus-Peter Feld, Mitglied des Vorstands seit 2006
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IT-Fachforum » Antworten auf Ihre IT-Fragen

IT-interessierte Wirtschaftsprüfer finden im Mitgliederbereich „Mein IDW“ auf der IDW Website ein Forum für ihre IT-Fragen, über die sie sich mit anderen austauschen möchten. Herr Dr. Feld, worin liegen die Vorteile für die Teilnehmer?
Komplexe und integrierte IT-Systeme unterstützen sowohl die Rechnungslegung als auch eine Vielzahl weiterer Prozesse zur Generierung entscheidungsrelevanter Informationen in den Unternehmen. Eine zeitgemäße Abschlussprüfung ist ohne die Betrachtung dieser IT-Systeme und der IT-gestützten Prozesse nicht mehr denkbar. Gleichzeitig unterliegen die IT-Systeme einem stetigen technologischen Wandel. Die Komplexität dieser Entwicklung macht es zunehmend schwierig, benötigtes Wissen für die Abschlussprüfung – aber auch für sonstige IT-Prüfungen – in einer Person zu vereinen. Wir sehen vor diesem Hintergrund eine zunehmende Bedeutung der Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs zwischen den Berufsträgern sowie der Einbindung von Spezialisten in die Prüfung. Mit dem von erfahrenen Prüfungsexperten moderierten IT-Fachforum bieten wir genau diese Möglichkeit: Wirtschaftsprüfer und deren Mitarbeiter können sich hier zu allen Fragestellungen rund um die IT-Prüfung – innerhalb und außerhalb der Abschlussprüfung – austauschen, wie bspw. zu IT-gestützten Geschäftsprozessen und deren Kontrollen, zu Fragestellungen im Zusammenhang mit den GoBD, oder auch zum effizienten Einsatz von Datenanalysen bei der Durchführung der Abschlussprüfung. Dies bietet vor allem kleineren und mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften einen wertvollen Erfahrungsaustausch über die technologische Entwicklung auf der Seite der Mandanten und über den möglichen Einsatz neuer Technologien im Rahmen der Abschlussprüfung. Verschwiegen sei aber auch nicht, dass ich mir noch eine deutlich aktivere Nutzung des Forums vorstellen könnte. Hier müssen wir noch weiter an der Bekanntheit arbeiten, gegebenenfalls auch das Konzept nochmals überdenken.
Wir gehen aktiv mit den Mitgliedern die Herausforderungen aus der Digitalisierung an.
Klaus-Peter Feld
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IT-AuditorIDW

Im Frühjahr 2016 hat das IDW eine Zusatzqualifikation auf dem Gebiet der IT-Systemprüfung geschaffen: den IT-Auditor. Was ist das Ziel dieser Qualifikation und wie wird sie im Berufsstand angenommen?
Wirtschaftsprüfer, die aufgrund ihrer Praxisgröße oder ihres Geschäftsmodells nicht über eigene IT-Spezialisten verfügen, können mit Hilfe des IT-AuditorIDW leichter externe Spezialisten in ihre Prüfungen einbeziehen und – das ist besonders wichtig – in skalierbarem Umfang. So wollen wir in einem vernünftigen Kosten- Nutzen-Verhältnis unseren Beitrag leisten. Neben diesem Ziel hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass auch Mitarbeiter von mittelgroßen und großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Interesse an dieser Zusatzqualifikation haben, um so ihre überdurchschnittlichen Kenntnisse in der IT-Systemprüfung nachweisen zu können. Im ersten Termin haben 27 Absolventen erfolgreich die Prüfung zum IT-AuditorIDW abgelegt. Die IT-Auditoren werden zusätzlich in ein auf der IDW Internetseite hinterlegtes Register aufgenommen. Die Rückmeldungen aus dem Berufsstand zum IT-AuditorIDW sind äußerst positiv. Dies zeigen uns auch die Anmeldezahlen für 2018.
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Treffpunkt IDW

Wir haben über die Bedeutung der Digitalisierung gesprochen. Das Thema war 2017 Schwerpunkt in der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt IDW“. In diesem Format fördert das IDW den direkten Dialog zwischen Mitglied und IDW.
Wir haben uns in der Gesamtstrategie einer marktorientierten Ausrichtung verschrieben. Dazu gehört auch der intensive Dialog mit den Mitgliedern. Das „Treffpunkt IDW“-Format ist hier ein wichtiger Baustein. 2016 hatten wir die Teilnehmer schon im Vorfeld gebeten, uns ihre wichtigsten Themen zu nennen. Darüber hinaus machen wir Umfragen im Nachgang zu jeder Veranstaltung und mit unserem Expertenpanel. Die Ergebnisse sind in die Neukonzeption eingegangen. Die Veranstaltung ist nun zweigeteilt: ein eher fachlich orientierter Teil, in dem wir die Teilnehmer kurz und präzise über kommende Themen informieren und darlegen, mit welcher Motivation sich das IDW hier engagiert. In einem zweiten Teil suchen wir auch mit Unterstützung einer interaktiven Software ganz aktiv die Diskussion zu einem jährlich wechselnden Schwerpunktthema. Was lag da näher, als mit der Digitalisierung zu beginnen? Sie ist für jeden von großer Relevanz. Und hier ist auch das Feedback unserer Mitglieder besonders wichtig, wo der Schuh jeweils drückt.
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Datenschutzrecht

Bleiben wir noch etwas im Umkreis der Informationstechnologie. Das Datenschutzrecht in der EU soll stärker vereinheitlicht werden, so sehen es eine EU-Verordnung und eine EU-Richtlinie vor. Welche Position vertritt das IDW gegenüber dem BMI?
Wirtschaftsprüfer haben bei ihrer täglichen Arbeit die Datenschutzregeln zu beachten. Während des Gesetzgebungsverfahrens zum neuen Datenschutzrecht hat sich das IDW für einen umfassenden Schutz der beruflichen Verschwiegenheitspflicht der Wirtschaftsprüfer eingesetzt. Konkret ging es darum, vertrauliche Mandantendaten vor dem Zugriff von Behörden sowie Informationsrechte von Personen, die außerhalb des Mandatsverhältnisses stehen, zu verteidigen. Das nun beschlossene deutsche Gesetz hat unsere Kritikpunkte berücksichtigt und enthält die notwendigen Sicherheiten für das Mandatsverhältnis. Das heißt aber nicht, dass das Thema nicht von anderen Seiten immer wieder unter Druck geraten kann. Aktuelles Beispiel: Die Pläne der EU-Kommission zur Anzeigepflicht bestimmter Steuergestaltungen.
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Corporate Governance Systeme

Digitalisierung ist sicher ein Thema, durch das neue Dienstleistungen für den Berufsstand entwickelt werden können. Compliance, also die Einhaltung von Regeln, wird in einer komplexen Umwelt ebenfalls immer wichtiger. Hier hat das IDW vor einigen Jahren den IDW PS 980 zur Ausgestaltung und Prüfung von Compliance Management Systemen herausgegeben. Im jetzigen Berichtszeitraum hat der Hauptfachausschuss des IDW hierzu mehrere Prüfungsstandards für freiwillige Prüfungen von Corporate Governance Systemen verabschiedet. Was sind die Hintergründe und Ziele?
Mit dem IDW PS 980 zur Prüfung von Compliance Management Systemen hatte das IDW schon 2011 einen Standard entwickelt, der breite Akzeptanz gefunden hat und dessen Anwendungsbereiche sich ständig weiterentwickeln. Hier nenne ich Tax Compliance als einen aktuellen Anwendungsfall. Der IDW PS 980 deckt aber nur einen Teilbereich der von den Unternehmen einzurichtenden Corporate Governance Systeme ab. Um der steigenden Nachfrage aus der Wirtschaft nach weiteren Dienstleistungen des Wirtschaftsprüfers in diesem Bereich gerecht zu werden, hat das IDW mit den Prüfungsstandards der 980er Reihe nun eine umfassende Serie zur Prüfung unterschiedlicher Teile des Corporate Governance Systems vorgelegt. Darin werden die in § 107 Abs. 3 AktG und im Deutschen Corporate Governance Kodex genannten Überwachungsgebiete des Prüfungsausschusses bzw. des Aufsichtsrats berücksichtigt. Dazu gehören neben der bereits erwähnten Prüfung von Compliance Management Systemen (IDW PS 980) die Prüfung des Risikomanagementsystems (IDW PS 981), die Prüfung des internen Kontrollsystems des internen und externen Berichtswesens (IDW PS 982) sowie die Prüfung des Internen Revisionssystems (IDW PS 983). Wir sehen hier eine bedeutsame Weiterentwicklung des Dienstleistungsangebots unseres Berufsstands, die dazu beiträgt, die Stellung des Wirtschaftsprüfers in der Corporate Governance der Unternehmen und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsorganen weiter zu festigen. Und dies gilt längst nicht nur für die Prüfer von Aktiengesellschaften. Gerade auch für mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ergeben sich daraus vielfältige Möglichkeiten, ihren Mandanten hier einen Mehrwert zu bieten. Z.B. können Informationsasymmetrien zwischen Mehr- und Minderheitsgesellschaftern abgebaut werden oder Geschäftsführer nach außen zeigen, dass sie wissen, was eine „gute Unternehmensführung“ heißt. Insgesamt rechnen wir damit, dass für den Berufsstand Wachstumschancen im Angebot von Dienstleistungen liegen, die zwar außerhalb der Abschlussprüfung angesiedelt sind, aber hinsichtlich Kompetenzprofil oder Leistungsgegenstand einen starken inhaltlichen Bezug zur Wirtschaftsprüfung haben. Es geht darum, den Beruf möglichst breit als den Vertrauensdienstleister zu etablieren.
Es geht darum, den Beruf möglichst breit als den Vertrauensdienstleister zu etablieren.
Dr. Klaus-Peter Feld ist seit 2016 Chief Development Officer
und zuständig für das Thema Digitalisierung
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Tax Compliance Management System

Die Grundsätze des IDW PS 980 können auch auf Tax Compliance Management Systeme angewendet werden. Das IDW legt in einem Praxishinweis die Grundlagen für die Ausgestaltung und Prüfung eines innerbetrieblichen Kontrollsystems zur Tax Compliance fest. Was ist hier die Rolle des WP?
Die gesetzlichen Vertreter von Unternehmen sind selbst für die vollständige und zeitgerechte Erfüllung der steuerlichen Pflichten des Unternehmens verantwortlich. Unterläuft dennoch mal ein Fehler, wird in der Praxis schnell die Frage nach der Vorwerfbarkeit i.S.d. Steuerstraf- oder Steuerordnungswidrigkeitenrechts von den Behörden gestellt. Dann kann es für die Verantwortlichen hilfreich sein, mit einem Tax Compliance Management System vorgesorgt und dem Vorwurf der Schuldhaftigkeit präventiv etwas entgegengesetzt zu haben. So schafft das Unternehmen eine Struktur, mit der es die Einhaltung der steuerlichen Gesetze und Vorgaben der Finanzverwaltung sicherstellt. Der IDW Praxishinweis 1/2016 zur Ausgestaltung von Tax CMS gibt Unternehmen eine Hilfestellung an die Hand, mit der sie ein individuell auf ihr Unternehmen zugeschnittenes System einrichten und beschreiben können. Schon mit einer solchen Beschreibung und der Dokumentation, dass das implementierte Tax CMS auch gelebt wird, kann der Finanzbehörde gegenüber dargestellt werden, dass das Unternehmen alles Zumutbare getan hat, um Regelverstöße systematisch zu vermeiden. Das kann ein Indiz sein, das im Fehlerfall gegen Eventualvorsatz und Leichtfertigkeit spricht. Der WP kann einerseits mit seinen Kenntnissen über steuerliche Sachverhalte und interne Kontrollsysteme bei der Einrichtung eines Tax CMS als sachverständiger Dritter dem Steuerpflichtigen beratend zur Seite stehen. Er kann andererseits – als unabhängiger Experte – die Angemessenheit und gegebenenfalls die Wirksamkeit des Tax CMS prüfen. Einer solchen Prüfung dürfte zusätzlich entlastende Wirkung bei der Frage eines Schuldvorwurfs der verantwortlichen Unternehmensvertreter zukommen. Wer mehr dazu wissen möchte, sollte sich dazu die entsprechende „IDW Live im Netz“-Sendung und den Podcast in unserem Mitgliederbereich „Mein IDW“ auf www.idw.de ansehen.
Der IDW Verlag hat dazu Produkte in sein Sortiment aufgenommen. Welche sind das?
Es gibt eine sehr praxisorientierte Beitragssammlung zum Thema Tax Compliance. Darin beschreiben Unternehmensvertreter ihre Erfahrungen bei der Entwicklung und Einrichtung ihres unternehmenseigenen Tax CMS. Diese Unternehmen zeichnen sich durch unterschiedliche Größen, Branchen und Tätigkeitsfelder aus. Berufsträger geben Hinweise zu Tax CMS im Konzern, zu umsatzsteuerlichen Tax CMS und zur steuerstrafrechtlichen Bedeutung von Tax CMS.
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ISA als Teil der Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung

Sie sind als geschäftsführendes Vorstandsmitglied nicht nur für Digitalisierung, sondern auch für Financial Services und Prüfung bzw. Assurance generell zuständig. Das IDW hat angekündigt, dass die ISA unmittelbarer Teil der Grundsätze ordnungsgemäßer Abschlussprüfung werden sollen. Was hat es damit auf sich?
Bislang werden die International Standards on Auditing (ISA) vom IDW unter Berücksichtigung nationaler Besonderheiten in IDW Prüfungsstandards transformiert. Zukünftig werden sich die vom IDW festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, auf die der Abschlussprüfer in seinem Bestätigungsvermerk weiterhin Bezug nehmen wird, aus den übersetzten ISA und ergänzenden nationalen IDW PS zusammensetzen. Die ISA werden als wesentlicher Bestandteil der GoA nicht mehr in IDW PS transformiert. Damit wird der internationale Einklang des deutschen Prüfungsvorgehens hervorgehoben und für im internationalen Umfeld agierende Praxen leichter nachweisbar. Wegen der nationalen Besonderheiten, bspw. zur Prüfung des Lageberichts oder zur Berichterstattung des Abschlussprüfers, kann eine nationale Abschlussprüfung jedoch nicht abschließend unter unmittelbarer Anwendung der ISA durchgeführt werden. Die erforderlichen Ergänzungen und Anpassungen der ISA werden weiterhin in IDW PS dargestellt werden.
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BilRUG & Lagebericht

Ein sehr umfassendes Thema mit vielseitigen Auswirkungen für die Wirtschaftsprüfer ist das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz. Bitte geben Sie uns einen kurzen Überblick, welche Veränderungen das BilRUG für die Wirtschaftsprüfer mit sich brachte.
Das BilRUG hat in der Tat zu einer Reihe von Neuerungen geführt, die in der Folge auch zahlreiche Zweifelsfragen aufgeworfen haben. Dies betrifft natürlich zuerst die Rechnungslegung, da das Gesetz vor allem die handelsrechtlichen Bilanzierungsvorschriften modifiziert hat. Zu nennen sind hier vor allem die Einführung einer standardisierten Abschreibungsdauer des Geschäfts- oder Firmenwertes von zehn Jahren, falls die Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden kann, die geänderten Befreiungsvoraussetzungen für Tochter-Kapitalgesellschaften, die Anhebung der Schwellenwerte für die Bestimmung der Größenklassen und die Änderungen hinsichtlich der GuV, vor allem die neue Definition der Umsatzerlöse und der Wegfall des a.o. Ergebnisses. Für alle wesentlichen Fragen haben wir Lösungen entwickelt. Diese sind inzwischen zu einem Infopaket zusammengefasst auf unserer Website abrufbar. Unsere Mitglieder erhalten damit quasi einen Kurzkommentar zum BilRUG. Das BilRUG hat auch die Vorgaben zur Prüfung des Lageberichts präzisiert. Hier ist nun zu prüfen und zu bestätigen, dass alle für die Aufstellung geltenden Vorschriften beachtet worden sind.
Bei der Prüfung des Lageberichts sind neue Vorgaben zu beachten?
Richtig. Der HFA hat im Januar 2016 mit dem Entwurf IDW EPS 350 n.F. neue Grundsätze zur Prüfung des Lage- bzw. Konzernlageberichts veröffentlicht. Derzeit wird der Standard aufgrund der eingegangenen Stellungnahmen überarbeitet und voraussichtlich im September 2017 vom HFA verabschiedet werden. Die neuen Regelungen sind dann bei der Prüfung von Lageberichten für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen, verpflichtend anzuwenden. Mit IDW EPS 350 n.F. wird vor allem der risikoorientierte Ansatz für die Prüfung des Lageberichts präzisiert. Bisher waren die Anforderungen an die Prüfung des Lageberichts über mehrere Prüfungsstandards verteilt, der neue Entwurf enthält eine weitgehend geschlossene Darstellung. Er berücksichtigt auch, dass die Prüfung des Lageberichts in weiten Teilen in die Prüfung des Abschlusses integriert ist. Ein Fokus bei den neuen Regelungen liegt darauf, wie sich der Abschlussprüfer mit denjenigen Vorkehrungen und Maßnahmen der Unternehmen befasst, die eine ordnungsgemäße Erstellung des Lageberichts gewährleisten sollen. Hierbei ist besonders zu berücksichtigen, dass diese „Systeme“ abhängig von der Größe und Komplexität eines Unternehmens unterschiedlich stark formalisiert sein können. Lageberichte beinhalten in der Praxis vermehrt Angaben, die über das Gesetz oder DRS 20 hinausgehen. Deshalb regelt der Entwurf auch erstmalig u.a. den Umgang mit „lageberichtsfremden“ Angaben. Sie sind unter bestimmten Voraussetzungen nicht in die Abschlussprüfung einzubeziehen. Wichtig für den Umgang des Abschlussprüfers mit solchen Angaben ist, ob sie eindeutig von den übrigen Angaben abgegrenzt sind oder nicht. Darüber hinaus regelt der Entwurf, wie der Abschlussprüfer mit nicht prüfbaren Angaben oder mit Querverweisen auf Informationen außerhalb des Lageberichts umzugehen hat, das gab es im vorigen Prüfungsstandard nicht.
Das BilRUG hat zu einer Reihe von Neuerungen und zu Zweifelsfragen geführt.
Klaus-Peter Feld
IDW EPS 350 n.F. auf www.idw.de, Rubrik Verlautbarungen
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Änderungen beim Bestätigungsvermerk

Das IDW hat im April 2017 ein Infopaket zum Thema „Bestätigungsvermerk“ herausgegeben. Warum?
Das IDW Infopaket enthält alle aktuellen Standardentwürfe zur Berichterstattung des Abschlussprüfers. Hierzu gehören vier Entwürfe zum Bestätigungsvermerk (sogenannte IDW PS 400er-Reihe), die überarbeiteten Grundsätze zur Erstellung von Prüfungsberichten (IDW EPS 450 n.F.) sowie die überarbeiteten Grundsätze für die Kommunikation mit den für die Überwachung Verantwortlichen (IDW EPS 470 n.F.). Für den Bestätigungsvermerk haben wir jetzt die umfassendsten Änderungen seit Inkrafttreten des Kon- TraG im Jahr 1998. Auslöser waren die EU-Rechtsakte zur Abschlussprüferregulierung und dessen nationale Umsetzung durch das AReG sowie das IAASB-Projekt zur Überarbeitung des Auditor‘s Report, das in eine Überarbeitung der ISA 700 ff. mündete. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Zielsetzung darin besteht, die Aussagekraft der Berichterstattung des Abschlussprüfers zu verbessern. Aus EU-Sicht soll auch das Vertrauen in den geprüften Abschluss erhöht werden. Dementsprechend bestehen wichtige Änderungen darin, das Prüfungsurteil an den Anfang des Bestätigungsvermerks zu stellen, gefolgt von einer Erläuterung der Grundlagen für das Prüfungsurteil. Auch werden die Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und eines gegebenenfalls bestehenden Aufsichtsgremiums sowie die Verantwortung des Abschlussprüfers deutlich umfangreicher beschrieben als bisher. Die ISA fordern eine Berichterstattung über die Prüfung des Abschlusses im Bestätigungsvermerk getrennt von weiteren, aufgrund gesetzlicher Vorschriften notwendigen Berichterstattungen. Die Auswirkungen auf deutsche Bestätigungsvermerke werden im HFA intensiv diskutiert. Dies betrifft vor allem die Aussagen zum Lagebericht – hier hat sich der HFA schließlich abweichend vom veröffentlichten Entwurf IDW EPS 400 n.F. für eine integrierte statt einer zweigeteilten Darstellung der Prüfungsurteile in Abschluss und Lagebericht entschieden. Hinzu kommt bei der Prüfung der Unternehmen von öffentlichem Interesse, das sind vor allem kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen, ein Novum: die Mitteilung über besonders wichtige Prüfungssachverhalte. Hierbei handelt es sich um diejenigen Sachverhalte, die am bedeutsamsten in der Abschlussprüfung waren und die Adressaten des Abschlusses beim Verständnis des Unternehmens unterstützen können. Mit der Verabschiedung der IDW PS 400er-Reihe durch den HFA rechnen wir im Dezember 2017. Die Erstanwendung soll – von Besonderheiten bei der Key Audit Matter-Berichterstattung abgesehen – bei kalendergleichen Geschäftsjahren bei der Prüfung von Abschlüssen des Geschäftsjahres 2018 erfolgen; allerdings soll auch die Möglichkeit zu einer freiwillig früheren Anwendung eröffnet werden. Übrigens haben wir im Mitgliederbereich der IDW Website unter dem Stichwort „Bestätigungsvermerk“ weitere Informationsmaterialien hinterlegt, bspw. einen Aufsatz zu den Hintergründen und der Zielsetzung der Neuregelungen, eine Präsentation für interne Schulungen oder Mandanteninformationsveranstaltungen sowie Videomitschnitte von einschlägigen IDW Veranstaltungen.
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Qualitätssicherung

Nehmen wir das Thema Qualitätssicherung. Die VO 1/2006 wurde abgelöst von dem IDW Qualitätssicherungsstandard: Anforderungen an die Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis (IDW QS 1). Warum überhaupt ein neuer Standard und was unterscheidet ihn von seinem Vorgänger?
Die Umsetzung der EU-Regulierung zur Abschlussprüfung führte auch bei der Qualitätssicherung in Wirtschaftsprüferpraxen zu gesetzlichen Änderungen. Die Berufssatzung WP/vBP konkretisiert die Anforderungen an die Qualitätssicherung, beschränkt sich dabei aber im Wesentlichen auf den gesetzlichen Anwendungsbereich, nämlich die Abschlussprüfungen nach § 316 HGB. Damit haben wir eine Regelungslücke zu dem bisherigen Anwendungsbereich der VO 1/2006, die sich an dem internationalen Standard ISQC 1 orientiert und betriebswirtschaftliche Prüfungen sowie verwandte Leistungen wie Erstellungen und Agreed-upon Procedures umfasst. IDW QS 1 enthält wie schon die VO 1/2006 eine geschlossene Darstellung der gesetzlichen und berufsständischen Anforderungen an die Qualitätssicherung sowie der internationalen Anforderungen des IAASB. Der Standard geht aber noch weiter: In IDW QS 1 stehen Erläuterungen zur Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben, die nicht in der Berufssatzung WP/vBP und den dazugehörigen Erläuterungstexten enthalten sind. Diese zusammenfassende Beschreibung aller Anforderungen an das Qualitätssicherungssystem unterscheidet IDW QS 1 von anderen Veröffentlichungen dazu. Nicht zu vergessen: IDW QS 1 beschreibt die Grundelemente eines Qualitätsmanagementsystems als einen Prozess. Dieser Qualitätsmanagementansatz baut auf einer proaktiven und gezielten Steuerung und Überwachung der qualitätsgefährdenden Risiken der WP-Praxis auf. Dieser Ansatz unterscheidet sich damit von einem rein complianceorientierten, hauptsächlich auf den Einsatz von Checklisten abstellenden Ansatz. Er erfordert eine den Qualitätszielen des Unternehmens sowie den jeweiligen Verhältnissen entsprechende, skalierte Anwendung der Regelungen. Dies entspricht dem – auch im Rahmen der EU-Reform zur Abschlussprüfung betonten – Grundprinzip, dass der Organisationsgrad des internen Qualitätssicherungssystems in einem angemessenen Verhältnis zum Umfang und zur Komplexität der beruflichen Tätigkeit stehen soll.
IDW QS 1 enthält als einzige Veröffentlichung eine Beschreibung aller Anforderungen an das Qualitätssicherungssystem.
Klaus-Peter Feld
Fragen an Herrn Dr. Feld

Branchen » Energiewirtschaft

Kommen wir zu den Branchen: Wir beobachten im Berufsstand eine stärkere Branchenfokussierung. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand des IDW für den Energiebereich einen eigenen Fachausschuss eingerichtet. Was sind dessen Aufgaben?
Ähnlich wie schon bei den bestehenden Branchenausschüssen sollen im Energiefachausschuss, abgekürzt EFA , die Besonderheiten der Energiebranche bei Rechnungslegung, Assurance und Beratung erörtert werden. Wir haben für die Besetzung des EFA Experten der WP-Gesellschaften gewonnen, daher erwarten wir eine verbesserte Außenwahrnehmung der Aktivitäten des IDW im Energiebereich sowie neue Impulse zur Unterstützung des Berufsstands.
Die Energiebranche ist teilweise einer sehr volatilen Gesetzgebung ausgesetzt, wenn man z.B. an das Erneuerbare- Energien-Gesetz oder auch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz denkt. Wie geht das IDW damit um?
Anfang 2016 wurde der IDW EPS 970 n.F. veröffentlicht, der den Rahmen für sonstige betriebswirtschaftliche Prüfungen und ähnliche Leistungen im Zusammenhang mit energierechtlichen Vorschriften setzen soll und somit nicht bei jeder Gesetzesänderung anzupassen ist. Im Energiebereich sind nicht nur vergangenheitsorientierte Finanzinformationen zu prüfen, sondern häufig Strommengen oder ähnliche nicht-finanzielle Größen. Damit nicht genug: teilweise sind dabei auch prognostizierte Werte Gegenstand der Prüfung. Nicht in allen Fällen wird die Erteilung eines Prüfungsurteils mit hinreichender oder begrenzter Sicherheit erwartet, teilweise werden auch vereinbarte Untersuchungshandlungen oder gutachterliche Stellungnahmen gewünscht. Die Art der Sachverhaltsinformation bestimmt zusammen mit der Art der geforderten Aussage des Wirtschaftsprüfers die anzuwendenden beruflichen Grundsätze. IDW EPS 970 n.F. gibt einen guten Überblick über diese Zusammenhänge. Auch für Wirtschaftsprüfer, die nicht im Energiebereich tätig sind, kann ein Blick in IDW EPS 970 n.F. sinnvoll sein, bspw. um einen neuen Auftrag einzuordnen.
Reicht das zur Unterstützung des Berufsstands aus?
Nein, sicherlich nicht. Daher wird der Rahmenstandard inzwischen durch gut zehn IDW Prüfungshinweise flankiert, mit denen Hilfestellung für die konkrete Anwendung dieser Grundsätze bei speziellen Prüfungen im Zusammenhang mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem Kraft-Wärme- Kopplungsgesetz und der Konzessionsabgabenverordnung gegeben wird. Bei gesetzlichen Änderungen werden diese IDW Prüfungshinweise kurzfristig angepasst. Wir haben einen engen Austausch z.B. mit den entsprechenden Behörden, wie dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der Bundesnetzagentur oder den Übertragungsnetzbetreibern.
Die Art der Sachverhaltsinformation bestimmt mit der Art der geforderten Aussage die anzuwendenden beruflichen Grundsätze.
Klaus-Peter Feld
Sitzung des IDW Verwaltungsrats
Fragen an Herrn Dr. Feld

Branchen » Financial Services

Kommen wir zu den sogenannten Financial Services. Bei den Versicherungen haben in den vergangenen Jahren die Niedrigzinsen für Probleme gesorgt. Welche Entwicklungen gab es darüber hinaus für die Versicherungen aus der Sicht der Wirtschaftsprüfer?
Neben dem Thema Niedrigzinsumfeld war das neue europäische Aufsichtsregime Solvency II, das Anfang Januar 2016 vollständig in Kraft getreten ist, das beherrschende Thema im Bereich Versicherungen. Bei der Umsetzung der Solvency II-Richtlinie wurde das Versicherungsaufsichtsgesetz vollständig neu gefasst und sieht nun für Versicherer – aber auch für die Prüfer – zusätzliche Pflichten vor. Aus der Sicht der Prüfer ist die von den Versicherern zu erstellende Solvabilitätsübersicht zu nennen, die vom Abschlussprüfer zu prüfen ist. Das ist eine unter Beachtung bestimmter Ansatz- und Bewertungsvorschriften zu erstellende Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva, mit der vorhandene Eigenmittel bestimmt werden. Hierzu gibt es diverse Anwendungsfragen, zu denen der Versicherungsfachausschuss des IDW mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft im Austausch steht. Um den Berufsstand zu unterstützen und auf eine einheitliche Vorgehensweise hinzuwirken, hat der VFA den Entwurf eines Prüfungsstandards für die Prüfung der Solvabilitätsübersicht – den IDW EPS 580 – erarbeitet. Ein weiteres Thema, das den VFA zukünftig beschäftigen wird, ist der neue Standard IFRS 17 zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen. Dieser ist zwar erst ab 2021 verpflichtend anzuwenden, wird aber für die Versicherer mit einem erheblichen Umsetzungsaufwand verbunden sein und auch die Prüfer vor Herausforderungen stellen.
Mit dem BFA und seinen Arbeitskreisen kann das IDW auf praxisorientierte Experten zurückgreifen.
Klaus-Peter Feld
www.idw.de "Mein IDW", Themen, Branchen
Je nach Geschäftsmodell sind auch Kreditinstitute maßgeblich von der aktuellen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank betroffen. Darüber hinaus wurde seit der Finanzkrise ein einheitliches europäisches Regulierungssystem geschaffen, das laufende Anpassungen erfordert. Wie kann das IDW Abschlussprüfer von Instituten unterstützen?
Mit dem Bankenfachausschuss und den angeschlossenen Arbeitskreisen kann das IDW auf praxisorientierte Experten zurückgreifen. Vergleichbares ist auf europäischer Ebene mit der Accountancy Europe Banks Working Party etabliert. In diesem Kreis finden regelmäßige Treffen, u.a. mit Aufsichtsbehörden und Branchenvertretern, statt. Darüber informieren wir unsere Mitglieder in Sitzungsberichterstattungen, außerdem unterstützen wir sie mit Verlautbarungen und Arbeitshilfen. Aktuell erarbeitet der BFA ein „Konzept zu aufsichtsrechtlichen Prüfungen und sonstigen vergleichbaren Tätigkeiten bei beaufsichtigten Instituten“, das u.a. zur Verringerung von Erwartungslücken gegenüber der Aufsicht sowie zu mehr Transparenz über Vorgehensweise und Qualität bei Aussagen von Wirtschaftsprüfern beitragen soll.
Der Investmentfachausschuss befasst sich mit Prüfungen im Zusammenhang mit regulierten Investments bzw. dem Kapitalmarkt. Für im Inland öffentlich angebotene Kapital- oder Vermögensanlagen ist regelmäßig ein von der Aufsicht zu billigender Verkaufsprospekt zu erstellen. Welche Neuerungen haben Wirtschaftsprüfer bei der Begutachtung von Verkaufsprospekten zu beachten?
Die Rahmenbedingungen im Kapitalanlagegesetzbuch haben sich grundlegend geändert, deshalb haben wir eine Neufassung des IDW S 4 zu den Grundsätzen ordnungsmäßiger Begutachtung der gesetzlichen Verkaufsunterlagen von Alternativen Investmentfonds veröffentlicht. Hiernach begutachtet der Wirtschaftsprüfer die Richtigkeit, Nachvollziehbarkeit und Klarheit der gesetzlichen Verkaufsunterlagen, also den Verkaufsprospekt und die wesentlichen Anlegerinformationen. Auf deren Basis hat die Aufsicht den Vertrieb der Kapitalanlagen für statthaft erklärt; dementsprechend wird die Vollständigkeit unterstellt. Adressaten des Gutachtens sind die Kapitalverwaltungsgesellschaft sowie gegebenenfalls deren gewerblich tätige Geschäftspartner. Da in der Praxis verstärkt Vermögensanlagen i.S.d. Vermögensanlagengesetzes nachgefragt werden, erarbeitet der Arbeitskreis „Geschlossene Investmentvermögen“ derzeit einen IDW Standard für die Begutachtung von Verkaufsprospekten nach dem VermAnlG.
Die Rahmenbedingungen im Kapitalanlagegesetzbuch haben sich grundlegend geändert.
Klaus-Peter Feld
Dr. Britta van den Eynden, Dr. Klaus-Peter Feld, Andreas Pöhlmann
Fragen an Herrn Dr. Feld

Internationale Facharbeit

Spannend ist auch der Blick auf die internationale Facharbeit: Welche Schwerpunkte hat das IDW hier setzen können?
Bei der Festlegung berücksichtigen wir, wo internationale Entwicklungen potentiell die größten Auswirkungen auf die Tätigkeiten des Berufsstands haben können. Aus unserer Sicht liegen die größten Risiken für den Berufsstand auf internationaler Ebene in der Überarbeitung der Standards für die Qualitätssicherung, die Abschlussprüfung, sonstige Prüfungen und ähnliche Leistungen im IAASB, also im International Auditing and Assurance Standards Board. Hintergrund für diese Einschätzung ist, dass die Regulatoren zunehmend Einfluss auf die in den genannten Standards enthaltenen Anforderungen ausüben. Die Gefahr wächst, dass die Regulatoren die internationalen Standards dazu missbrauchen, um insbesondere diejenigen Anliegen durchzusetzen, welche sie auf nationaler Ebene nicht erzwingen konnten. Die internationalen Prüfungsstandards scheinen mehr und mehr als „Reparaturbetrieb“ zur Verbesserung der aus Sicht der Regulatoren unzulänglichen Rechnungslegungsstandards genutzt zu werden. Obwohl wir viele nachteilige Entwicklungen für den deutschen Berufsstand verhindern bzw. abmildern konnten, ist der internationale Berufsstand nicht in der Lage, sämtliche der skizzierten Entwicklungen aufzuhalten. Zu den derzeit in Arbeit befindlichen Projekten des IAASB zählen vor allem die Überarbeitungen der Standards für die Beurteilung von Schätzwerten im Abschluss, die Beurteilung der Risiken wesentlicher falscher Darstellungen im Abschluss, die Qualitätssicherung auf Praxisebene, die Qualitätssicherung auf Ebene des Prüfungsauftrags und Konzernabschlussprüfungen. Des Weiteren untersucht das IAASB das Thema Datenanalysen in der Abschlussprüfung. Es handelt sich bei diesen Projekten um das „Handwerkszeug“ der Abschlussprüfung. Wir werden uns bei der Bearbeitung dieser Themen daher weiterhin für den deutschen Berufsstand und damit für vernünftige und skalierbare Standards einsetzen.