Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

Die Strategie des IDW und des Berufsstands

Herr Prof. Dr. Naumann, wir begeben uns auf das weite Feld der Strategie des IDW. Was waren und sind die Leitlinien, an denen das IDW seine Arbeit für die Mitglieder ausrichtet?
Der Wandel, den insbesondere die Digitalisierung mit sich bringt, wirkt disruptiv. Die Strukturen fügen sich neu und anders zusammen. Die dabei entstehenden Möglichkeiten sind vielfältig: Es entstehen Ideen, neue Geschäftsprozesse und innovative Geschäftsmodelle. Die sich bei den Mandanten vollziehenden Veränderungen wirken auf den Berufsstand ein. Entweder der Berufsstand reagiert auf die Veränderungen bei den Mandanten und passt bspw. seine Prüfungstechniken den Systemen der Mandanten durch fortentwickelte Datenanalysen an. Oder er begleitet den Wandel von vornherein und berät den Mandanten hier proaktiv bei der Entwicklung seiner Systeme. Verschiedene Modelle können für den Wirtschaftsprüfer zum Erfolg führen. Ganz grundsätzlich gilt für das IDW, dass die erforderlichen Hilfestellungen und die – berechtigten – Erwartungen an ihren Berufsverband vielfältiger und umfassender werden. Es gilt, die Anpassung der Geschäftsmodelle in den Segmenten zu begleiten. Dazu haben wir verschiedene Angebote entwickelt, bspw. das strategische Analyse Tool Eigenland®. Das Thema Berufsbild – also wer sind wir, vor allem aber: wer werden wir in Zukunft sein – wird uns an verschiedenen Stellen begegnen, egal ob in der Imagekampagne oder in der inhaltlichen Weiterentwicklung des WP-Examens. Wir werden der zunehmenden Spezialisierung unserer Mitglieder Rechnung tragen, bspw. durch eine stärkere Branchenorientierung. Die Einrichtung des Energiefachausschusses ist hier ein Baustein. Unser Ankerprodukt – die Abschlussprüfung – muss einerseits den neuen technologischen Möglichkeiten, aber auch den inhaltlichen neuen Anforderungen der verschiedenen Stakeholder folgend, weiterentwickelt werden. Neue Dienstleistungen treten hinzu. Sie fallen aber nicht vom Himmel, sondern müssen zumindest teilweise strategisch entwickelt bzw. ggf. auch gegen mögliche Anbieter anderer Berufe besetzt werden. Der Berufsstand muss Verantwortung übernehmen, wenn er seine wichtige Rolle in der Gesellschaft verteidigen möchte. Um das zu erreichen, stellen wir uns künftig fokussierter und zielgruppenorientierter – oder anders ausgedrückt: marktorientierter – auf. Unser Adressatenkreis vergrößert sich, auch durch andere, neuere Kommunikationsformen. Wir sprechen mit Mitgliedern, Journalisten, Regulatoren und Unternehmen, also Mandanten oder potentiellen Mandanten unserer Mitglieder. Die Außenkommunikation wird einen größeren Stellenwert einnehmen und auch mutiger werden. So haben wir bspw. schon vor einiger Zeit unsere Arbeitsgruppe Trendwatch ins Leben gerufen, die sich mit Themen beschäftigt, die auch mal einen Blick über den Tellerrand zulassen. So werden die Wirtschaftsprüfer nach außen als Experten für Wirtschaft positioniert, was zugleich die Reputation des Berufs stärkt. Die Geschäftsstelle wird bei der Erörterung über die strategische Weiterentwicklung des Berufs sowie des IDW maßgeblich durch das ehrenamtliche Engagement in den verschiedenen Gremien unterstützt. Diese Neuausrichtungen führen auch IDW intern zu neuen Strukturen: so haben wir neben der klassischen Facharbeit und der Verwaltung eine dritte Säule „Markets und Kommunikation“ installiert. Hier wird nicht nur die klassische Mitgliederkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit abgewickelt, sondern es geht auch um die strategische Positionierung den verschiedenen Stakeholdern gegenüber. Die Ausrichtung am Markt wird zudem durch die Einrichtung einer Steering Group verstärkt. Diese priorisiert die verschiedenen Projekte in der Facharbeit des IDW. Hierfür beobachtet sie kommende Themen für den Berufsstand, die sich zu Big Points entwickeln könnten. Daraus entstehen gegebenenfalls neue Projekte, die in eigens dafür zusammengestellten Teams aus den ehrenamtlich mitarbeitenden Berufsangehörigen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle verwirklicht werden.
Die Strukturen fügen sich neu und anders zusammen. Die dabei entstehenden Möglichkeiten sind vielfältig.
Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann
Sprecher des Vorstands seit 2002
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Arbeitsgruppe Trendwatch » Niedrigzinsen

Sie haben es gerade schon angesprochen: Die IDW Arbeitsgruppe „Trendwatch“ beobachtet Entwicklungen im Umkreis des Wirtschaftsprüfers und greift wirtschaftsnahe Themen auf. Sie versucht, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären und weist auf mögliche Implikationen für die Gesellschaft oder die Wirtschaft hin. In der Gruppe entstanden 2016 zwei spannende IDW Positionspapiere, das eine zum Brexit und das andere zur Niedrigzinsphase. Fangen wir mit dem Niedrigzinsen an!
Niedrigzinsen betreffen heute so gut wie jeden: Die einzelne Privatperson genauso wie die Mehrzahl der Unternehmen. Wir wollen mit diesem Papier die Gesellschaft und die Öffentlichkeit ein bisschen aufrütteln und aufzeigen, wer von den Niedrigzinsen wie betroffen ist. Dies ist Teil der eben dargelegten strategischen Positionierung des Berufsstands: Wir übernehmen Verantwortung. Auch legen wir dar, was eigentlich passieren würde, wenn die von vielen herbeigesehnte Zinswende tatsächlich käme. Zinsen berühren unser Tagesgeschäft als Wirtschaftsprüfer, insbesondere bei der Rückstellungsbewertung, der Ermittlung eines Wertminderungsbedarfs oder bei Unternehmensbewertungen. Zinsen beeinflussen aber auch wesentlich die Lage der Mandanten, mitunter sogar deren Geschäftsmodell: Die Untersuchung unserer AG Trendwatch zeigte, dass die Niedrigzinspolitik bei Unternehmen der Realwirtschaft die erwünschten Effekte auslöst, die Geschäftsmodelle von Banken und Lebensversicherern, besonders aber Bausparkassen jedoch bedroht. Private Altersvorsorge wird unattraktiv, betriebliche Altersvorsorge kann durch erhöhten Zinsaufwand zum Risiko werden – die Altersvorsorge als Drei-Säulen-Modell gerät in Schieflage, Altersarmut droht. Größter Profiteur ist die öffentliche Hand, die wegen geringer Zinsbelastungen mehr oder weniger problemlos ausgeglichene Haushalte vorlegen kann. Die Steuerungsfunktion des Zinses geht verloren. So werden häufig falsche Anreize gesetzt. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen für eine Zinswende. Damit verbunden sind Warnungen vor einem Abkühlen der wirtschaftlichen Entwicklung. Wenn beispielsweise durch einen Zinsanstieg der Euro relativ zu anderen Währungen stärker wird, könnte dies Exporte beeinträchtigen. Dieselbe Entwicklung stünde dann aber auch dem US-Dollar als internationaler Leitwährung bevor - zumindest im Vergleich zum Dollar dürfte das Tauschverhältnis daher gleich bleiben. Ein Zinsanstieg würde ferner eine Entlastung der Unternehmen bei langfristigen Rückstellungen bedeuten. Langfristig ist die Zinswende unausweichlich: Unsere Untersuchung hat dabei gezeigt, dass je länger die Null- oder Niedrigzinsphase anhält, sich deren schädliche Wirkungen umso tiefer in die Bilanzen fressen und bei einem Anstieg umso negativer wirken. Ferner besteht dann die Gefahr eines schnellen, unkontrollierbaren Zinsanstiegs.
Der Berufsstand muss Verantwortung übernehmen, wenn er seine wichtige Rolle in der Gesellschaft verteidigen möchte.
Klaus-Peter Naumann
Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann, Dr. Daniela Kelm, Dr. Klaus-Peter Feld
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Arbeitsgruppe Trendwatch » Brexit

Das zweite erwähnte Positionspapier betrifft den Brexit: In diesem schwierigen Umfeld sind Unternehmen und Wirtschaftsprüfer längerfristig gefordert. Mit der Entscheidung dafür hat Großbritannien die Welt überrascht. Welche Folgen hat der Austritt für deutsche Unternehmen und ihre Wirtschaftsprüfer?
Die konkreten wirtschaftlichen Folgen des Brexit für Unternehmen hängen von den Ergebnissen der laufenden Austrittsverhandlungen ab. Im Kern wird zu klären sein, inwieweit das Vereinigte Königreich weiterhin Zugang zum europäischen Binnenmarkt erhalten wird. Die Verflechtungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich sind beachtlich. Etwa 2.500 deutsche Unternehmen haben verbundene Gesellschaften im Vereinigten Königreich. Einschränkungen der vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes der EU im Verkehr mit dem Vereinigten Königreich können zu wesentlichen Auswirkungen für Bürger und Unternehmen führen. Es kommt aber natürlich immer auf den Einzelfall an. Was beschäftigt die Unternehmen konkret? Die Fragen der Unternehmen zum Brexit sind vielschichtig. Sie beeinflussen schon heute wesentliche Standort- und Investitionsentscheidungen. Unternehmen beschäftigen sich z.B. mit möglichen arbeitsrechtlichen Auswirkungen des Brexit, also mit künftigen Möglichkeiten und administrativen Hürden der Tätigkeit deutscher Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich und vice versa. Aber auch steuerrechtliche Fragen stehen auf der Agenda vieler Unternehmen, zu denken ist hier beispielsweise an Fragen zum Umgang mit Umsatzsteuer und Zöllen im Handel mit dem Vereinigten Königreich. Ein weiteres intensiv diskutiertes Thema betrifft die 9.000 in Deutschland registrierten Limiteds: Ohne weitere Regelungen wären diese nach dem Brexit wohl als offene Handelsgesellschaften oder Gesellschaften bürgerlichen Rechts zu behandeln. Diese Beispiele zeigen: Unternehmen sollten sich möglichst frühzeitig mit möglichen Konsequenzen des Brexit auf ihre Tätigkeiten auseinandersetzen. Der Wirtschaftsprüfer dient hier als kompetenter Ansprechpartner. Welche möglichen Auswirkungen können sich aus dem Brexit für die Rechnungslegung und Prüfung von Unternehmen ergeben? Das Brexit-Votum führt nicht zwingend zu bilanziellen Konsequenzen deutscher Unternehmen. Vielmehr sind die Auswirkungen auf die Rechnungslegung abhängig vom Umfang der wirtschaftlichen Beziehungen und Verflechtungen der Unternehmen mit Großbritannien. Brexit-Auswirkungen können sich aber unter Umständen schon heute in angepassten Unternehmensplanungen wiederfinden. Unternehmerische Planungen sind sowohl nach HGB als auch nach IFRS die Grundlage für die Ermittlung eines Wertminderungsbedarfs von Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, z.B. des Geschäfts- oder Firmenwertes, von immateriellen Vermögensgegenständen und von Beteiligungen. Ein Nachfragerückgang oder Bonitätsprobleme britischer Kunden können in Einzelfällen außerplanmäßige Abschreibungen von Forderungen oder Vorratsvermögen notwendig machen. Außerdem können Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten bilanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Sind Umwandlungen oder Änderungen von Geschäftsprozessen vorgesehen, werden sich Unternehmen und Abschlussprüfer regelmäßig mit der Bilanzierung von Restrukturierungsrückstellungen und der bilanziellen Behandlung von Umwandlungsvorgängen auseinandersetzen müssen. Folgen können sich beispielsweise auch für die Berichterstattung im Prognosebericht oder Risikobericht ergeben.
Mittlerweile mehren sich die Anzeichen für eine Zinswende.
Klaus-Peter Naumann
Das IDW ist seit 1983 in der Tersteegenstr. 14
In den modernen Konferenzräumen tagen die Gremien
Informationsmaterial auf www.idw.de
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Strategien für KMU

Zurück zur strategischen Ausrichtung des IDW: Zur Unterstützung der Strategien kleinerer und mittelständischer Praxen bietet das IDW „Eigenland®“-Veranstaltungen an. Was genau verbirgt sich dahinter und für wen ist das relevant?
Eigenland® ist ein intuitives Analyse-Tool. In einem Workshop- Format werden in mehreren Runden Thesen zu geschäftspolitisch wichtigen Handlungsfeldern der Wirtschaftprüferpraxis vorgestellt. Die Teilnehmer diskutieren, ob sie diesen Thesen zustimmen und wie sie darauf reagieren. Dieses Format bieten wir in jährlich wechselnden Städten für unsere Mitglieder kostenlos an. Dies hilft gerade mittelständischen oder kleineren Praxen, für die eigene Strategie wichtige Impulse zu finden. Sie erfahren, wie Kollegen denken und können auf Augenhöhe ihre eigenen Einschätzungen diskutieren. Das intuitive Wissen der Teilnehmer ist dabei die wertvollste Ressource, die es zu entdecken und zu nutzen gilt. Für Mitglieder, die dieses Tool innerhalb ihrer eigenen Praxis oder auch einem Verbund von Praxen einsetzen möchten, bieten wir dies in Kooperation mit Eigenland® vergünstigt an. Verschiedentlich werden wir auch gebeten, Strategiegespräche oder Workshops unserer Mitglieder zu begleiten. Soweit es unsere Kapazität zulässt, kommen wir dem gerne nach: durch Impulsreferate oder auch als Moderator solcher Veranstaltungen. Die Vertraulichkeit ist selbstverständlich gewahrt.
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Expedition Wirtschaft

Thema für den Berufsstand ist speziell die Gewinnung von Nachwuchs. Das IDW ist bei der Förderung des Berufsnachwuchses aktiv und hat 2013 eine Imagekampagne ins Leben gerufen. Diese wird aktuell in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe überarbeitet. Worum geht es ganz konkret?
Die Imagekampagne ist ein gutes Beispiel für die steigenden Erwartungen unserer Mitglieder an uns. Als wir sie 2013 ins Leben gerufen haben, war sie als Projekt und somit mit einer endlichen Lebensdauer geplant. Aber die Schwierigkeiten, an geeigneten Berufsnachwuchs zu kommen, sind ja nicht geringer geworden, sondern im Gegenteil. Selbst die damaligen Kampagnenkritiker erkennen heute das frühe Engagement des IDW an. Etwa 38% der Wirtschaftsprüfer sind älter als 55 Jahre, d.h. sie werden voraussichtlich in zehn Jahren nicht mehr aktiv tätig sein. Um die Zahl der Wirtschaftsprüfer konstant zu halten, müssten in den nächsten zehn Jahren etwa 5.400 neue Wirtschaftsprüfer gewonnen werden. Dies entspricht aber bei weitem nicht den Zugängen. Es gibt Kritiker, die sagen, es sei letztlich fraglich, ob wir die Zahl der Wirtschaftsprüfer überhaupt halten müssen bzw. ob nicht weniger Angebot sogar positiv auf das Geschäft wirke. Letztlich haben Digitalisierung und Automatisierung sicherlich Auswirkung auf die erforderliche Anzahl. Es ist allerdings wichtig, dass wir selbst uns nicht immer auf unsere Abschlussprüferrolle reduzieren lassen. Und die Geschäftsbereiche, in denen unser Berufsstand tätig ist, wachsen. Wir vom IDW sind der Meinung, dass nicht nur der Abschlussprüfer gut daran tut, den Titel Wirtschaftsprüfer zu erwerben. Sondern der Titel ist wie ein Qualitätslabel, der uns positiv abgrenzt von anderen Berufen. Wir sehen daher nicht, dass künftig weniger Wirtschaftsprüfer gebraucht werden. Wir brauchen eine Kampagne, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen, um ganz konkret Nachwuchs, also Studierende, anzusprechen, zum anderen, um die Reputation und Bekanntheit des Berufs zu fördern bzw. zu erhöhen. Beides bringt letztlich jedem Mitglied zumindest einen mittelbaren Nutzen. Und wie genau funktioniert die neue Kampagne? Wir bieten die Online-Plattform www.expedition-wirtschaft.de, die der Gewinnung Studierender für den Beruf des Wirtschaftsprüfers dient. Diese Plattform wird unterschiedliche Angebote und Inhalte rund um die Wirtschaft präsentieren. Vor allem können Studierende die PraktiCard bekommen, mit der sie ein Tagespraktikum bei einem IDW Mitglied erleben können. Unsere Mitglieder sind also aufgefordert, sich auf der Website zu registrieren und Studierende für einen Tag an ihrem Wirken teilhaben zu lassen.
Wir brauchen eine Kampagne, um Nachwuchs anzusprechen und die Reputation zu fördern.
Klaus-Peter Naumann
Alles zur Kampagne: www.expedition-wirtschaft.de
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Marktorientierung » Das Expertenpanel

Teil der neuen Strategie ist auch, sich marktorientierter auszurichten. Wie schaffen Sie das?
Marktorientierung heißt für uns, auf den Bedarf der jeweiligen Zielgruppe möglichst genau einzugehen. Dazu muss man die Erwartungen und Haltung der Zielgruppe kennen. Dies wiederum gelingt, wenn man in den Dialog mit den jeweiligen Ansprechgruppen bzw. Personen tritt. Wir haben diverse Gesprächskreise, unsere Fachausschüsse und Arbeitsgruppen. Daneben haben wir Mitte des letzten Jahres ein langfristig angelegtes Expertenpanel mit einer zufällig ausgewählten Stichprobe aus unseren Mitgliedern aufgebaut. Bei dieser Gruppe führen wir mehrmals im Jahr Kurzbefragungen zu verschiedenen Themen durch und erhalten wichtige Hinweise zu aktuellen Marktbedürfnissen und auch zu sinnvollen Innovationen. Nur wenn wir engen Kontakt zu unseren Mitgliedern halten und den Austausch suchen, können wir unseren Berufsstand unterstützen und uns zukunftsorientiert aufstellen.
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Zukunft der Berichterstattung

Ein Thema, welches den Berufsstand gerade beschäftigt, ist die Zukunft der Berichterstattung. In Deutschland werden die Unternehmen seit Kurzem mit weiteren Herausforderungen konfrontiert: der Nachhaltigkeitsgedanke tritt immer mehr in den Vordergrund und somit auch die Berichterstattung über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren der Unternehmen. Wie bringt sich das IDW bei diesem Thema ein?
Durch Jahres- und Konzernabschlüsse wird die Unternehmensleistung transparent und kann zwischenbetrieblich sowie im Zeitablauf verglichen werden. Zentrale gesellschafts- und steuerrechtliche Vorgaben bauen auf dem Jahresabschluss auf, privatwirtschaftliche Vereinbarungen, zum Beispiel zur Kapitalüberlassung oder Vorstandsvergütung, sind häufig an Kennzahlen aus dem Konzernabschluss geknüpft. Zunehmende Bedeutung erhalten die Lageberichte. Eine verlässliche und aussagekräftige Rechnungslegung ist damit ein wesentlicher Baustein der Corporate Governance. Allerdings wird die herkömmliche Finanzberichterstattung immer häufiger mit Kritikpunkten konfrontiert: Komplexität, Vergangenheitsorientierung und Information Overload sowie eine unzureichende Berücksichtigung von wesentlichen Erfolgstreibern, vor allem von Nachhaltigkeitsaspekten. Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer hat mit dem Core & More- Konzept über seine europäische Dachorganisation Accountancy Europe seine Vision für die Fortentwicklung der Unternehmensberichterstattung vorgelegt. Dem Lagebericht kommt darin die wichtige Rolle zu, den Abschluss zu ergänzen und so ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Lage zu zeigen. Wir begrüßen die explizite Aufnahme von Nachhaltigkeitsaspekten in den Berichtsumfang des Lageberichts als einen ersten Schritt zur Fortentwicklung der Unternehmensberichterstattung. Die Übereinstimmung der Unternehmensausrichtung mit den berechtigten Stakeholder-Erwartungen sichert die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und minimiert insbesondere Reputationsrisiken. Wir Wirtschaftsprüfer müssen die erweiterten Erwartungen, die an uns gestellt werden – soweit sie denn berechtigt sind – annehmen. Die Gesellschaft verändert sich, und nicht-finanzielle Themen werden wichtiger. Wir müssen zeigen, dass wir die Relevanz nicht-finanzieller Angaben verstanden haben und dass unser Know-how und unsere Prüfungsskills geeignet sind, den Stakeholdern Sicherheit über die Angaben zu geben. So stärken wir unsere Marktstellung und verhindern, dass andere die Lücke schließen.
Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang auch an das gemeinsame Symposion mit dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee am 29. November letzten Jahres, dessen zentraler Punkt die Zukunft der Unternehmensberichterstattung war. Gab es hier übereinstimmende Meinungen zur weiteren Entwicklung?
Unter den Teilnehmern der Konferenz bestand Einigkeit, dass die Finanzberichterstattung wieder stärker ihre ursprünglichen Adressaten, also Investoren, Arbeitnehmer, Kunden und Lieferanten und deren Informationsbedürfnisse, in den Mittelpunkt stellen sollte, nicht allein die Erfüllung regulatorischer Vorgaben. Auch die Bedeutung des Lageberichts wurde hervorgehoben. Zur erforderlichen Adressatenorientierung passte die Einschätzung, dass ein Country-by-Country-Reporting, also die Angaben über die gezahlten Steuern je Staat, ein Risikomanagementtool der Finanzverwaltung sein kann – ein solches Reporting aber für die Öffentlichkeit nicht ohne umfangreiche weitere Angaben geeignet ist und daher lediglich an den Fiskus gerichtet sein sollte. Berichterstattung ist letztlich einer von mehreren Bausteinen des Corporate Governance Systems. Daher wurden bei der Veranstaltung auch die deutlich gestiegenen Anforderungen an Aufsichtsräte erörtert und die Unterstützung, die Wirtschaftsprüfer hier durch Prüfungen von Compliance Systemen nach IDW PS 980 oder anderen Teilsystemen der Corporate Governance erbringen können. Herr Dr. Feld wird darauf noch detaillierter eingehen.
Berichterstattung ist einer von mehreren Bausteinen des Corporate Governance Systems.
Klaus-Peter Naumann
IDW Positionspapier: Pflichten und Zweifelsfragen zur nicht-finanziellen
Erklärung als Bestandteil der Unternehmensführung
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Zahlungsbericht & Frauenquote

Bleiben wir noch etwas bei der Berichterstattung, genauer: beim Zahlungsbericht. Ein Zahlungsbericht muss erstmals für Geschäftsjahre, die nach dem Inkrafttreten des BilRUG beginnen, erstellt und offengelegt werden. Darin wird über Zahlungen an staatliche Stellen berichtet. Das IDW veröffentlichte einen Praxishinweis dazu. Was sind die Hintergründe und aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich?
Große Unternehmen des Rohstoffsektors haben in einem „Zahlungsbericht“ Zahlungen anzugeben, die im Geschäftsjahr an staatliche Stellen im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit in der mineralgewinnenden Industrie oder mit dem Betrieb des Holzeinschlags in Primärwäldern geleistet worden sind. Der Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen in Deutschland ist größer als zunächst erwartet. Mit der Erstellung des Berichts sind zahlreiche Anwendungs- und Auslegungsfragen verbunden, die der HFA in seinem IDW Praxishinweis 1/2017 klärt. Hinweisen möchte ich darauf, dass auf europäischer Ebene zurzeit über eine Ausweitung der Berichtspflichten auf andere Wirtschaftszweige und über die Einführung einer gesetzlichen externen Prüfungspflicht der Berichte diskutiert wird. Der Praxishinweis soll daher auch als Blaupause für künftige Verlautbarungen verstanden werden. Er macht deutlich: Unser Beruf ist vorbereitet.
Gegenstand der Berichterstattung ist seit kurzem auch die sogenannte Frauenquote, mit der die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst erreicht werden soll. Anzugeben sind u. a. Zielgrößen für den Frauenanteil in Führungspositionen. Hierzu hat das IDW einen Prüfungshinweis entwickelt. Können Sie uns Näheres dazu sagen?
Wir erleben gegenwärtig eine Inflation neuer externer Berichtsformate. Die klassische Berichterstattung über Abschluss und Lagebericht wird – getrieben durch unterschiedliche nationale und internationale Einflüsse – in scheinbar immer höherer Taktung durch neue Elemente ergänzt. Ein Beispiel für die zunehmenden Berichterstattungspflichten ist auch der Bericht zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit, der künftig dem Lagebericht als Anlage beizufügen sein wird. Spannend ist die Vorgabe des Gesetzgebers zum Umgang des Abschlussprüfers mit der Frauenquote: Die Angaben zur Frauenquote sind nämlich laut HGB nicht in die Prüfung einzubeziehen. Der Prüfer hat lediglich festzustellen, ob überhaupt Angaben gemacht wurden – ungeachtet ihrer inhaltlichen Richtigkeit. Konsequenzen für den Bestätigungsvermerk sind nur zu ziehen, wenn die Erklärung zur Unternehmensführung bzw. die Angaben zur Frauenquote gänzlich fehlen. Sind sie unzutreffend oder unvollständig, ergeben sich gegenwärtig lediglich Berichterstattungspflichten im Prüfungsbericht.
Wir erleben gegenwärtig eine Inflation neuer externer Berichtsformate.
Klaus-Peter Naumann
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IDW S 6

Die Arbeit des Wirtschaftsprüfers ist ja nicht auf die Durchführung von Abschlussprüfungen beschränkt. Bspw. im Bereich der Sanierung insolventer Unternehmen kann der Wirtschaftsprüfer gefragt sein. Der deutsche Gesetzgeber hat in den letzten Jahren versucht, die Sanierung von Unternehmen zu erleichtern. Ob im sogenannten Schutzschirmverfahren, im Insolvenzplanverfahren oder aber im Vorfeld einer Insolvenz – Sanierungs- bzw. Insolvenzpläne spielen eine zentrale Rolle. Noch vor einigen Jahren standen die Bemühungen zur Sanierung eines insolventen Unternehmens häufig auf wackligen Füßen. Hat sich daran mit dem IDW S 6 zu den Anforderungen an die Erstellung von Sanierungskonzepten etwas geändert?
Der IDW S 6 hat sich mittlerweile als Marktstandard für Sanierungskonzepte auch außerhalb des Berufsstands etabliert. Spätestens nachdem im Jahr 2012 die klare Verbindung zwischen BGH-Anforderungen und Anforderungen des IDW S 6 verdeutlicht wurde, gibt es keine Zweifel mehr am Gütesiegel des IDW S 6. Zu beachten ist, dass die Sanierung eines Unternehmens eine höchst komplexe betriebswirtschaftliche, steuerliche und juristische Aufgabe ist. Bei der praktischen Umsetzung kommt es daher immer wieder zu zahlreichen Anwendungsfragen. Das IDW hat mit den Ende 2016 veröffentlichten Fragen und Antworten zum IDW S 6 zentrale Praxisfälle aufgegriffen und gibt diesbezüglich zahlreiche Anwendungshinweise. Unter anderem wird klargestellt, dass es gerade bei wenig komplexen Unternehmen möglich ist, „schlanke“ Sanierungskonzepte nach IDW S 6 zu erstellen. Eine in der Praxis oft zu beobachtende Erstellung „in Anlehnung an IDW S 6“ ist weder erforderlich noch sachgerecht, denn der Adressat soll unmissverständlich informiert werden, nach welchen Regeln ein Sanierungskonzept aufgestellt wurde; er muss schon wissen, was er da gerade vor sich hat.
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Familienunternehmen

Eine umfassende Kompetenz des Wirtschaftsprüfers wird gerade von Familienunternehmen erwartet, die im deutschen Mittelstand eine bedeutende Rolle in der Unternehmenslandschaft spielen. Wirtschaftsprüfer sind hier für die Familien häufig erste Ansprechpartner bei geschäftlichen Schwierigkeiten. Das IDW hat eine Broschüre zum Thema „Familienunternehmen“ herausgegeben. Warum?
Die Broschüre wendet sich an Familienunternehmen sowie gleichermaßen an Wirtschaftsprüfer. Familienunternehmen unterscheiden sich grundlegend von anderen Unternehmensformen. Im Sinne einer „Best Practice“ wird der besondere Mehrwert veranschaulicht, den Wirtschaftsprüfer als Abschlussprüfer, aber auch als Berater für Familienunternehmen erbringen können. Die Broschüre ist ein gutes Beispiel dafür, wie das IDW die Positionierung und Wahrnehmung der Wirtschaftsprüfer bei den Mandanten oder potentiellen Mandanten unterstützt. Reputationsfördernd!
Familienunternehmen unterscheiden sich grundlegend von anderen Unternehmensformen.
Klaus-Peter Naumann
Broschüre: "Fokus Familienunternehmen" zum Download über www.idw.de/idw/im-fokus
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

Positionierung des Berufsstands

Eine weitere Möglichkeit, den Berufsstand in der Gesellschaft zu positionieren, ist die Präsenz in der bundesweiten Presse. Das IDW verfolgt eine aktive Pressearbeit. Was waren denn hier die wesentlichen Themen?
Im Berichtszeitraum hat das IDW diverse Presseanfragen beantwortet. Themen waren u.a. Niedrigzinsen, die Auswirkungen der Regulierung, das Berufsbild, der Berufszugang sowie das CSR Reporting. Weiterhin wurden mehrere Presseinformationen veröffentlicht, bspw. zu den erwähnten IDW Positionspapieren oder zu Auswirkungen der Regulierung. Eine weitere Pressemitteilung haben wir zum von der SPD-Fraktion vorgelegten Gesetzentwurf zur Angemessenheit von Vorstandsvergütungen und die steuerliche Absetzbarkeit der Managementgehälter publiziert. Eines möchte ich vorausschicken: Wir begrüßen ausdrücklich politische Maßnahmen, die dazu geeignet sind, eine nachhaltig positive Unternehmensentwicklung zu fördern, beispielsweise eine zukunftsorientierte und transparente Vergütungsstruktur. Wir haben kritisiert, dass der Gesetzentwurf auf der unbegründeten Annahme basiert, die steuerliche Abzugsfähigkeit der Managementvergütungen führe zu einer Mitfinanzierung hoher Bezüge durch die Allgemeinheit. Dabei wird übersehen, dass in der Regel die steuerliche Belastung des Vergütungsempfängers die steuerliche Entlastung aus der Abzugsfähigkeit der Vergütungen beim Unternehmen überschreitet. Die Angemessenheit der Vorstandsvergütung ist ein sehr emotionales und daher ein für den Wahlkampf willkommenes Thema. Wir wollten vor allem darauf aufmerksam machen, dass auch im Wahlkampf emotionale Themen von der Politik mit der gebotenen Sorgfalt und Sachlichkeit analysiert werden sollten.
Medial hat insbesondere die Steuergestaltung mit sogenannten Cum-Ex-Geschäften für viel Wirbel gesorgt. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages wurde eingesetzt, um das Thema aufzuarbeiten. Wie bewertet das IDW dieses Thema?
Die heute im Fokus der Diskussionen stehenden Cum-Ex-Geschäfte früherer Tage waren zwar komplex, das dahinter stehende Prinzip war jedoch einfach: Eine nur einmal abgeführte Kapitalertragsteuer wurde mehrfach erstattet. Die bloße Tatsache, dass es sich um eine doppelte bzw. mehrfache Anrechnung handeln könnte und dass dieser Anrechnung eine Cum-Ex-Transaktion vorausgegangen sein könnte, war jedoch in der Regel nicht erkennbar. Prüfer und Steuerfahnder sind daher grundsätzlich auf die freiwillige Auskunftsbereitschaft der Beteiligten oder auf umstrittene Datenankäufe angewiesen. Es ist sehr bedauerlich, dass der Gesetzgeber auf diese Cum-Ex-Geschäfte trotz weit zurückliegender Hinweise aus der Wirtschaft, aber auch des IDW über viele Jahre nicht reagiert hat. Dies ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass das Ausmaß dieser Geschäfte damals kaum bekannt gewesen sein dürfte. Problematisch bleibt zudem, dass die Zulässigkeit dieser Geschäfte unter Experten und mangels höchstrichterlicher Rechtsprechung bis heute ungeklärt ist.
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

Europa & Accountancy Europe

Wechseln wir kurz den Schauplatz von eher nationalen Themen hin zu internationalen Entwicklungen. Professor Dr. W. Edelfried Schneider, mehrjähriges Mitglied des IDW Vorstands und ehemaliger Vorsitzer des Verwaltungsrats, wurde im Dezember 2016 zum Präsidenten von Accountancy Europe berufen. Welche Entwicklungen gibt es derzeit auf europäischer Ebene und wie bringt sich das IDW hier ein?
Die EU-Kommission hat kürzlich eine öffentliche Konsultation zu künftigen Aufgaben und Kompetenzen der europäischen Finanzaufsichtsbehörden, also der European Securities and Markets Authority (ESMA), der European Banking Authority (EBA) und der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA ) initiiert. Sie verfolgt dabei erkennbar eine Kumulation und Konzentration von Kompetenzen auf ESMA, unter anderem durch Integration des CEAOB, also des Committee of European Auditing Oversight Bodies. Das IDW hat vor solchen Systemänderungen ohne gravierenden Anlass gewarnt. Sie wären auch mit Blick auf den Subsidiaritätsgrundsatz europarechtlich bedenklich und mit dem Ziel eines Bürokratieabbaus nicht vereinbar. Auf Betreiben ihres Präsidenten W. Edelfried Schneider hat sich unsere europäische Dachorganisation, Accountancy Europe, ebenfalls gegen eine Verlagerung von Kompetenzen auf die ESMA zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgesprochen – auch vor dem Hintergrund des gegenwärtigen politischen Klimas der EU, ich denke hier an den Brexit und die Bundestagswahl. Auf seinem „Digital Day“ am 29.03.2017 bot Accountancy Europe in Brüssel eine Plattform für den Austausch von Expertenwissen aus Berufsstand, Unternehmen und Forschung. Bei dieser Veranstaltung ging mein Vorstandskollege Herr Dr. Feld aus marktorientierter Sicht u. a. auf die Bedeutung der Digitalisierung für den Prozess des Standard Setting ein; darüber hinaus stellte er angesichts der Höhe notwendiger Investitionen in die IT-Infrastruktur die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer Prüfungsgesellschaften in den Fokus. Als europapolitischer Dauerbrenner erweist sich nach wie vor die Steuerpolitik. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen dabei die Anzeigepflicht für Modelle der Steuerplanung, die einheitliche Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage sowie das vorhin schon einmal angesprochene Country-by-Country-Reporting. Zu sämtlichen Themen bringt sich das IDW direkt und indirekt über Accountany Europe mit konstruktiven Beiträgen ein. In der Fachwelt große Beachtung fand hierzu auch der Accountancy Europe „Tax Day“ am 30.05.2017.
Als europäischer Dauerbrenner erweist sich nach wie vor die Steuerpolitik.
Klaus-Peter Naumann
Aus der Fédération des Experts-Comptables Européens wurde 2016 Accountancy Europe.
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

IDW Life Relaunch und IDW Life App

Essentiell für die Arbeit des IDW ist die Kommunikation mit den Mitgliedern. Im digitalen Zeitalter eröffnen sich hier ganz neue und strategisch bedeutsame Möglichkeiten. Auch das IDW hat seine Informationskanäle hinterfragt und modernisiert. Ein Beispiel ist die Überführung der IDW Fachnachrichten in die IDW Life: Nicht nur der Name hat sich geändert. Auch die Inhalte und das Layout sind einer Generalüberholung unterzogen worden. Was hat sich konkret geändert und warum?
Unsere Mitglieder bieten ihre Leistungen in einer Wissensgesellschaft an. Dies setzt voraus, auch über die Arbeit des IDW informiert zu sein. Um dies zu gewährleisten, nutzen wir unterschiedliche Kanäle: Das direkte Gespräch, die Kommunikation via Internet und nach wie vor – Printprodukte. Zu letzteren gehört seit je her unsere monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift. Beim Relaunch der mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommenen „IDW Fachnachrichten“ wollten wir deshalb vor allem veränderten Lesegewohnheiten und Informationsbedürfnissen Rechnung tragen. Das Ergebnis ist die „IDW Life“. Diese kombiniert auf Papier und im monatlichen Erscheinungsturnus die „Pflichtlektüre“ in Form von Verlautbarungen und fachlichen Hinweisen mit der „Kür“ in einem farbigen, modern gestalteten Magazinteil. Darin stellen wir eingangs jeweils ein aktuelles Thema in den Fokus – dieses darf durchaus auch einmal fachfremd sein – und informieren darüber hinaus über andere wesentliche Ereignisse rund um unsere Tätigkeit. Soweit möglich verzichten wir auf den Abdruck umfangreicher Texte und verweisen stattdessen auf unsere tagesaktuelle Website. Dort stehen viele Materialien, z.B. Positionspapiere, Arbeitshilfen oder Veranstaltungsprogramme, zum Nachlesen oder Download zur Verfügung. Um das IDW besser kennenzulernen und den persönlichen Kontakt mit uns zu erleichtern, gibt es die neuen Rubriken „Im Gespräch mit …“ und „Das IDW stellt sich vor“. Einen zusätzlichen Nutzwert für die Leser bieten wir auch mit der regelmäßigen Veröffentlichung von Antworten auf fachliche Anfragen von allgemeinem Interesse, die an unsere Fachreferenten herangetragen wurden. Für den online-affinen Leser stehen im Übrigen alle Inhalte der IDW Life einschließlich des FN-Teils auch als App zur Verfügung. Alles zusammen – die inhaltliche Neuausrichtung, das moderne Layout und die medienübergreifenden Nutzungsmöglichkeiten – soll die „IDW Life“ auch in Zukunft zu einer unübersehbaren Farbe auf der Palette unserer Serviceleistungen machen.
Auf unserer Website stehen viele Materialien wie Positionspapiere oder Arbeitshilfen zum Download bereit.
Klaus-Peter Naumann
Die IDW Life-App finden Sie im App Store oder bei Google play.
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

Fortbildung mit Videos und Podcasts

Bei der Fortbildung unterstützt das IDW die Mitglieder mit Aufzeichnungen von Landesgruppenveranstaltungen. Zudem gibt es mittlerweile einführende Podcasts zu aktuellen Themen. Welche sind das und welches Ziel verfolgt das IDW mit den Podcasts?
Die Aufzeichnungen unserer Fortbildungsveranstaltungen aus den IDW Landesgruppen ermöglichen es unseren Mitgliedern, sich zeitflexibel und ohne lange Reisezeiten auf dem Laufenden zu halten. Für den Abruf der gut zweieinhalbstündigen Videos stellt das IDW auf Wunsch einen Fortbildungsnachweis aus. Abrufbar sind ausgewählte Vorträge aus Assurance, Rechnungslegung, Beratung, Steuern und Recht. Das reicht von aktueller Rechtsprechung zum Gesellschaftsrecht über den Bestätigungsvermerk bis hin zu Cloud Computing oder Neuerungen bei der Umsatzsteuer. Daneben haben wir 2015 ein neues Bewegtbild-Format für unsere Mitglieder eingeführt, die Podcasts. Dies sind kurze Videos, die ein fachliches Thema prägnant und knapp erläutern. In Interviews stellen Mitglieder der IDW Fachgremien oder Fachreferenten aus dem IDW eine neue IDW Verlautbarung oder eine gesetzliche Änderung vor. Der Zuschauer erfährt in gut fünf Minuten, was für ihn als Wirtschaftsprüfer relevant ist und welche Unterstützung das IDW für ihn bereithält. Die Reihe wird monatlich erweitert, und so möchte ich hier nur einige beispielhaft herausgreifen: Fragen und Antworten zu Sanierungskonzepten nach IDW S 6, Tax Compliance, Der Zinssatz bei Pensionsrückstellungen, Die besondere Ausgleichsregelung nach dem EEG 2017. Mit den Podcasts kann man sich ohne großen Aufwand zwischendurch fachlich fit halten – ob im Büro oder unterwegs. Zudem können IDW Mitglieder die Podcasts in ihre eigene Website oder in ihr Intranet einbetten.
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

IDW Live im Netz

Einen treuen Zuschauerstamm haben auch die „IDW Live im Netz“-Sendungen gefunden, in denen berufspolitische und fachliche Themen mit Experten diskutiert werden.
Die Sendung „IDW Live im Netz“ dient dem interaktiven Austausch zwischen dem IDW, externen Fachleuten und unseren Mitgliedern. Einmal pro Quartal greifen wir ein Thema auf, das im Berufsstand gerade aktuell ist, und laden dazu Experten ins Studio ein. Diese können Vertreter eines IDW Arbeitskreises sein, der eine neue fachliche Verlautbarung erarbeitet hat, oder andere Angehörige des Berufsstands, aber auch Vertreter von Behörden und Kammern. Die Sendung wird – immer an einem Donnerstag um 11 Uhr – live ins Internet gestreamt. Die Mitglieder können die Sendung online verfolgen und sich unkompliziert über ein Chat-Fenster in die Diskussion einschalten und die fachlichen Fragen stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Die Sendung kann im Anschluss ein Jahr lang als Aufzeichnung abgerufen werden. In den vergangenen zwei Jahren haben wir ein breites Themenspektrum abgedeckt: So haben wir gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen wie den Brexit oder die Niedrigzinsphase und ihre Auswirkungen auf die Bilanzierung von Pensionsrückstellungen. Wir haben unsere mittelständischen Berufskolleginnen und -kollegen für neue Geschäftsfelder sensibilisiert mit der Sendung über Compliance oder jener über Tax Compliance, aber auch auf Risiken aufmerksam gemacht, um hier nur die Sendung „IT-Sicherheit und Datenschutz in der WP-Praxis“ zu nennen.
Fragen an Herrn Prof. Dr. Naumann

Arbeitstagung Baden-Baden

Apps, Videomitschnitte, Podcasts, Livestreams mit interaktiver Beteiligung: Das IDW nutzt die modernen Medien der Zeit und verbindet dies mit Altbewährtem wie beispielsweise der jährlichen IDW Arbeitstagung in Baden- Baden. Was ist das Besondere an der Arbeitstagung Baden-Baden?
Unsere Arbeitstagung ist ein zentrales Event unseres Berufsstands, bei dem fachliche Themen im Vordergrund stehen. In der Eröffnungsveranstaltung bilden Vorträge und Podiumsdiskussionen zu berufspolitischen oder übergreifenden Themen das Zentrum. Kern der Veranstaltung sind aber sicher die zahlreichen Arbeitsgruppen, in denen Themen aus allen beruflichen Bereichen intensiv diskutiert werden. Daher ist das Netzwerken unter Gleichgesinnten ein wesentlicher Nutzen für die Besucher.
Welche neuen Entwicklungen gibt es?
Bei einer so lange eingeführten Traditionsveranstaltung besteht in der Tat immer wieder die Notwendigkeit der Anpassung an die aktuellen Wünsche der Teilnehmer. So sind wir bereits 2016 der vielfach geäußerten Anregung gefolgt, auch halbtägige Veranstaltungen mit einem stärkeren Informations- oder Update-Charakter neben den Diskussionsgruppen, die wir nunmehr Round-Table-Sessions nennen, anzubieten. Dieses Angebot wollen wir künftig weiter ausbauen und noch flexibler hinsichtlich der Kombination mit anderen Modulen gestalten. Sehr gut angenommen wurde auch unsere neue Veranstaltungs-App, die z.B. einen weitgehend papierlosen Besuch ermöglicht und zahlreiche besondere Features für den Aufenthalt in Baden-Baden bereithält. Für neue Berufsträger haben wir mit dem Jung-WP-Forum eine eigene Möglichkeit zum Austausch in Baden-Baden eingeführt. Schließlich haben die jungen Kollegen eine andere Perspektive und insofern auch einen eigenen Rahmen verdient.