Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

Herausforderungen für den Berufsstand

Herr Professor Naumann, seit unserem letzten Tätigkeitsbericht sind die Entwicklungen im Berufsstand weiterhin recht lebhaft. Wenn wir die Herausforderungen an einigen Stichworten festmachen wollen, zählen dazu z. B. die Nachwuchsentwicklung, die Reputation des Berufsstands und die Regulierungsdebatte. Lassen Sie uns mit der Regulierung im United Kingdom anfangen. Wie ist dort der Stand der Debatte?
Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat im letzten Jahr eine Untersuchung der Strukturen des britischen Prüfungsmarktes begonnen. Auslöser waren Unternehmenskrisen, u. a. von dem Baukonzern Carillion, durch die Zweifel an der Zuverlässigkeit von Abschlussprüfungen geweckt wurden. Die hohe Marktkonzentration wurde als mögliche Ursache einer unzureichenden Prüfungsqualität gesehen. Im April 2019 hat die CMA weitreichende Empfehlungen zur stärkeren Regulierung der WP-Branche in UK vorgelegt. Demnach sollen die großen WPG künftig ihr Abschlussprüfungs- und Beratungsgeschäft intern operativ trennen. Beide Geschäftsbereiche sollen nach den Vorschlägen eine eigene Geschäftsführung, Aufsicht, Buchführung und eigene Bonustöpfe haben. Zudem sollen für britische Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIE) künftig Joint Audits vorgeschrieben werden. Dabei darf nur einer der beiden Abschlussprüfer von einer Big 4 kommen. Ausnahmen sollen vorerst nur für die allergrößten Konzerne des Landes gelten. Nicht gefordert wurde ein Joint Audit, wenn ein Konzern schon heute vom einem Abschlussprüfer geprüft wird, der nicht zu den Big 4 gehört. Damit wird die Zielsetzung des Vorschlags offenbar, die Verminderung der bestehenden Marktkonzentration.



„Der UK-Vorschlag zielt auf die Verminderung der bestehenden Marktkonzentration”
Klaus-Peter Naumann


Die Reformvorschläge wurden sowohl von Unternehmen als auch von vielen WP-Praxen kritisiert, ihre rechtliche Basis in Frage gestellt.
Das britische Wirtschaftsministerium hat im Mai angekündigt, weitere Konsultationen durchzuführen. Ferner wird darüber diskutiert, dass die Prüfer zumindest freiwillig wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen sollten, welche sich an den Vorschlägen der CMA orientieren. Der englische Berufsstand hat sich zu den Vorschlägen noch nicht einheitlich positioniert.
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Auswirkungen auf Europa

Und wird sich das auf Europa bzw. Deutschland auswirken?
Initiativen zur weiteren Regulierung der WP-Branche sind auch auf europäischer Ebene zu beobachten. Im Europäischen Parlament wurde beispielsweise Ende März 2019 ein Bericht des sog. Sonderausschusses TAX3 verabschiedet, nach dem eine siebenjährliche Pflichtrotation bei allen Abschlussmandanten gefordert wird. Der TAX3-Bericht des Europäischen Parlaments ist kein verbindlicher Rechtsakt, hat aber politische Signalwirkung. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine neu gebildete EU-Kommission prüfen wird, ob die Pflichtrotation in die EU-Abschlussprüferrichtlinie aufzunehmen ist. Das IDW hat sich in die Diskussionen eingebracht. Unseres Erachtens sind die aktuellen Überlegungen zur weiteren Regulierung des Berufsstands im Europaparlament nicht zielführend. Zum einen sind die letzten Reformen des Prüfungsmarkts durch die neue EU-Verordnung zur Abschlussprüfung und die geänderte Abschlussprüferrichtlinie gerade erst 2016 umgesetzt worden. Diese Reformen stellen das Ergebnis jahrelanger Diskussionen zur Verbesserung der Prüfungsqualität dar. Unmittelbar auf die Reform dieser Reform überzugehen erscheint nicht sinnvoll. Vielmehr sollten die Auswirkungen der neuen Maßnahmen, die wie der sog. Fee Cap zum Teil erst ab 2020 greifen, sorgfältig analysiert werden. Ebenso belegen wissenschaftliche Studien schon heute, dass zu kurze Rotationszyklen die Prüfungsqualität verschlechtern. Dennoch nehmen wir wahr, dass die Regulierungsdebatte in UK auch in Brüssel verfolgt wird. Mit welchem Duktus die Diskussion in Europa geführt wird, hängt jedoch sicherlich von der neuen Zusammensetzung von Parlament und Kommission ab. Strukturelle Anpassungen von Organisation und Steuerung der britischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften könnten jedoch auch auf deren internationalen Netzwerke und damit auch die deutschen Teile dieser Unternehmen ausstrahlen. Dies gilt unabhängig davon, ob diese Anpassungen letztlich vorgeschrieben oder freiwillig umgesetzt werden. Das IDW wird sich weiterhin intensiv für den Berufsstand und gegen eine willkürliche Regulierung einsetzen, die am Ende sogar die Prüfungsqualität verschlechtern würde. Auch sehen wir, dass Regulierungseingriffe die Markkonzentration können. Die vom IDW in der letzten Debatte benannte Gefahr, dass externe Pflichtrotationen die Marktkonzentration erhöht, ist heute als Realität zu beobachten.
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Nachwuchs

Ein Thema, das den Berufsstand zunehmend beschäftigt, ist der fehlende Nachwuchs. Ja, die Nachwuchsgewinnung gehört zu den wichtigsten Themen des Berufsstands. Viele schätzen die Bedeutung des Themas sogar höher ein als die Auswirkungen der Digitalisierung. Deshalb ist die Unterstützung bei der Gewinnung von Berufsnachwuchs auch von besonders großer strategischer Bedeutung für das IDW. Wir haben 2013 mit der Imagekampagne das Thema adressiert. 2016 haben wir diese Kampagne umgewandelt in eine konkretere Form der Unterstützung beim Recruiting, bei der wir Studierende und den Berufsstand zusammenbringen. Ob aus einem Tagespraktikum dann ein Praktikum und später vielleicht ein festes Arbeitsverhältnis wird, ergibt sich dann im Einzelfall.
 


„Nachwuchsgewinnung gehört zu den wichtigsten Themen des Berufsstands” Klaus-Peter Naumann


Aber auch mit der Modularisierung des Examens – wofür sich das IDW gemeinsam mit der WPK stark gemacht hat – wird der Beruf wieder ein bisschen attraktiver, weil das Examen selbst kalkulierbarer wird.
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Wahrnehmung des Berufsstands

Zeigen sich in diesem Punkt auch Probleme mit der Wahrnehmung des Berufsstands in der Öffentlichkeit? Das Bild des Wirtschaftsprüfers in der Öffentlichkeit wird in letzter Zeit auch geprägt durch negative Berichterstattungen über Bilanzskandale in anderen Ländern. Man wird sicher nicht abstreiten können, dass dies negativ auf das Berufsbild abfärbt – ob die Kritik gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Umso mehr gilt es, als Berufsstand geschlossen aufzutreten und die wichtige Rolle des Wirtschaftsprüfers als Vertrauensdienstleister in der Gesellschaft stärker herauszustellen. Damit liegt es aber auch am Berufsstand selbst, sich in öffentliche Debatten unter Beachtung der Verschwiegenheitspflicht vermehrt einzubringen. Auch deshalb haben wir unsere Öffentlichkeitsarbeit noch einmal intensiviert.




„Der Wirtschaftsprüfer ist Vertrauensdienstleister in der Gesellschaft” Klaus-Peter Naumann
 
Das IDW hat sich mit Vertretern des Bundesfinanzhofs ausgetauscht. Könnten Sie uns den Hintergrund dieses Gesprächs nennen? Der BFH hat Vertreter des IDW zu einem Fachgespräch eingeladen, um sich über grundsätzliche steuerrechtliche Themen auszutauschen. Das IDW war durch Mitglieder des Steuerfachausschusses und des geschäftsführenden Vorstands vertreten. Der Bundesfinanzhof wurde durch seinen Präsidenten und weitere Richterinnen und Richter vertreten. Bei dem Fachgespräch ging es um die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Finanzgerichtsbarkeit und andere Bereiche, die Internationalisierung der Gewinnermittlung, die Modernisierung des Unternehmenssteuerrechts sowie die Bedeutung des Unionsrechts bei der Änderung bestandskräftiger Steuerfestsetzungen.
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Berufsstand und Digitalisierung

Kommen wir zur Digitalisierung: Welche Rolle der Berufsstand in der Zukunft einnehmen kann, wird auch von diesem Thema abhängen. Was hat das IDW getan, um die Wirtschaftsprüfer zu unterstützen?
Die Digitalisierung spielt für die Wirtschaft und natürlich auch für die Wirtschaftsprüfer eine große Rolle. Und dies in mehrfacher Hinsicht: Zum einen müssen Wirtschaftsprüfer die Digitalisierung in ihren eigenen Kanzleiprozessen vorantreiben, z. B. indem sie verstärkt auf die Dienstleistungen von Cloud-Anbietern zurückgreifen. Hier hat das IDW im April 2019 einen Anforderungskatalog herausgegeben, der bei der Berücksichtigung der besonderen straf- und berufsrechtlichen Anforderungen bei der Auswahl und Nutzung von Dienstleistern unterstützen soll.
Auch bei der Kommunikation mit den Mandanten sowie bei der Durchführung der Prüfungs- und Beratungsaufträge wird die Digitalisierung immer wichtiger, z. B. bei der Analyse von großen Datenbeständen mit Hilfe von modernen Datenanalyse-Tools, oder auch das Process Mining. Diese technologiebasierten Prüfungstechniken bringen methodische Fragestellungen mit sich, wie der Umgang mit Auffälligkeiten, die in den derzeit gültigen Prüfungsstandards noch nicht abschließend angesprochen werden. Hier arbeitet das IDW an einer Verlautbarung. Daneben hat sich die von uns angebotene Fortbildung zum „IT-AuditorIDW“ als Erfolgsmodell herausgestellt. Mit dem „IT-AuditorIDW“ bieten wir Wirtschaftsprüfern, die nicht über ausreichende IT-Expertise im eigenen Hause verfügen, einen leichteren Zugang zu qualifizierten Externen für den Einsatz in ihren Abschlussprüfungen an.
Letztlich beraten Wirtschaftsprüfer ihre Mandanten auch, wie regulatorische Vorgaben im Zusammenhang mit der Digitalisierung eingehalten werden können. Das IDW unterstützt diesen Prozess mit einem Rahmenstandard zu IT-Prüfungen außerhalb der Abschlussprüfung. Außerdem haben wir einen Prüfungshinweis zur Prüfung der Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung und dem Bundesdatenschutzgesetz veröffentlicht. Weitere Prüfungshinweise zur Prüfung der von Betreibern Kritischer Infrastrukturen gemäß § 8a Abs. 1 BSIG umzusetzenden Maßnahmen sowie zur Prüfung von rechnungslegungsrelevanten CloudServices beim Cloud-Betreiber sind in Planung.
Hinweisen möchte ich auch auf unseren Digital Summit, den wir bereits im zweiten Jahr gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie veranstalten. Er richtet sich an Unternehmen und deren Vertreter und stellt den Berufsstand als digitalen Begleiter und Partner der Unternehmen über die Abschlussprüfung hinaus dar. Die steigenden Anmeldezahlen sprechen für sich, so dass wir den Digital Summit auch im Jahr 2019 wieder anbieten werden.
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Treffpunkt IDW

Eine weitere erfolgreiche Veranstaltungsreihe ist der „Treffpunkt IDW“. Welches Ziel haben diese Treffen und welche Themen greift der geschäftsführende Vorstand darin auf?
Ziel der „Treffpunkt IDW“-Veranstaltungen ist es vor allem, mit unseren Mitgliedern in den persönlichen Kontakt zu treten, um sich über aktuelle Praxisfragen austauschen zu können. 2017 haben wir die Veranstaltung neu konzipiert und zweigeteilt. In einem eher fachlich orientierten ersten Teil werden die Teilnehmer kurz und präzise über kommende Themen informiert und wir legen dar, mit welcher Motivation sich das IDW hier engagiert hat. In einem zweiten Teil suchen wir ganz aktiv die Diskussion zu einem jährlich wechselnden Schwerpunktthema, in diesem Jahr die TOP 5 der Fachanfragen. Die Neukonzeption wird gut angenommen, sodass wir sie auch weiterverfolgen werden.
„Der persönliche Austausch mit unseren Mitgliedern bleibt unser Anspruch” Klaus-Peter Naumann
Alles zur Kampagne: www.expedition-wirtschaft.de
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Datenaustausch mit Mandanten

Der erste Versuch mit einer Plattform zum Datenaustausch zwischen Mandant und Wirtschaftsprüfer brachte nicht den erhofften Erfolg. Was ist passiert und wie geht es weiter?
Die Kooperation mit dem Start-Up Devatax war eine der Maßnahmen, um unsere Mitglieder bei der Digitalisierung zu unterstützen. Ziel war die Entwicklung einer auf den Prüfungsprozess zugeschnittenen Kommunikationsplattform, die sich an Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und ihre Mandanten, insbesondere mittelständische Unternehmen, richten sollte. Zum Zeitpunkt des Beginns der Kooperation gab es ein derartiges Angebot nicht. Leider konnte man sich letztlich nicht über die Marktabgrenzung und die Ausgestaltung der Rechte einigen. Inzwischen wurde die Idee von anderen Prüfungssoftwareanbietern aufgegriffen und in entsprechende Lösungen umgesetzt. Indirekt hat unser Engagement somit dennoch dazu beigetragen, moderne Austauschformen im Berufsstand zu etablieren. Das fehlgeschlagene Kooperationsprodukt soll uns indessen nicht von dem Weg abbringen, unsere Mitglieder bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Wir wollen Transparenz über Tools und Services schaffen und die Integration der verschiedenen Angebote vorantreiben. Zudem wirken wir darauf hin, die Kooperationsmöglichkeiten zu erhöhen und kollaboratives Zusammenarbeiten zu fördern, um die Kräfte des Berufsstands zu bündeln. Das IDW sieht hierin eine wichtige strategische Weichenstellung und wird sich dafür stark machen.
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Gremienstruktur

Bei den Strukturen in den fachlichen Gremien des IDW hat sich einiges getan. Können Sie uns einen Überblick über die wichtigsten Änderungen geben, z. B. die Aufteilung des bisherigen Hauptfachausschusses?
Der bisherige Hauptfachausschuss, abgekürzt HFA, wurde per Satzungsänderung in zwei Fachgremien aufgespalten: Den neuen HFA und den Fachausschuss Unternehmensberichterstattung, kurz FAB. Beide Gremien werden in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich die Grundsätze ordnungsmäßiger Berufsausübung festlegen. In den Zuständigkeitsbereich des HFA fallen künftig alle Fragen rund um die Abschlussprüfung. Dies umfasst nicht nur die Entwicklung und Verabschiedung von Prüfungsstandards, sondern auch die Interpretation einschlägiger Regulierungsvorgaben und von Berufsgrundsätzen. Auch ist der HFA für alle sonstigen Assurance-Leistungen zuständig. Der HFA wird darüber hinaus auch Fragen der Einbettung der Abschlussprüfung in das System der Corporate Governance sowie Fragen der Digitalisierung der Abschlussprüfung beraten.


 
„Unser Weg: Die Mitglieder bei der digitalen Transformation unterstützen” Klaus-Peter Naumann
 

Der FAB wird sich vor allem mit der Fortentwicklung des Unternehmensreportings beschäftigen. Eine transparente und an den Interessen der Adressaten ausgerichtete Unternehmensberichterstattung fördert das Vertrauen der Marktteilnehmer insgesamt. Damit wird auch die Rolle des Abschlussprüfers als unabhängige Instanz gestärkt. Hierzu soll der FAB wichtige Impulse geben.
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Fitness Check

Die EU hatte eine Konsultation zur Unternehmensberichterstattung ins Leben gerufen, die Aktion lief unter dem Namen „Fitness Check“. Was sollte damit erreicht werden und wie hat sich das IDW eingebracht?
Im Rahmen des Sustainable Finance Action Plan befasst sich die EU-Kommission mit der Fortentwicklung der externen Berichterstattung. Dabei wurde ein „Fitness Check“ sämtlicher EU-Richtlinien und -Verordnungen mit Rechnungslegungsbezug durchgeführt. Anhand von fast 70 Fragen sollte ermittelt werden, ob die derzeitigen Berichterstattungsvorgaben für eine digitale Welt noch geeignet sind, ob nichtfinanzielle Aspekte ausreichend beachtet werden, ob eine integrierte Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung verfolgt werden sollte und welche Rolle digitale Kommunikationsinstrumente spielen sollten. Wir sind überzeugt, dass der gegenwärtige Rechtsrahmen der Europäischen Union zur Finanzberichterstattung von Unternehmen grundsätzlich konsistent ist. Allerdings werden derzeit in die externe Unternehmensberichterstattung in inflationärer Anzahl neue Bestandteile eingeführt. Dabei die Konsistenz der Rechnungslegung zu erhalten, stellt eine große Herausforderung dar. Dies gilt auch für die Prüfung und Offenlegung der neuen Berichtselemente, etwa das CSR-Reporting, das von der Kommission richtigerweise vorangetrieben wird. Allerdings sollte auch hier eine einheitliche „Berichtssprache“ gefunden werden und die gegenwärtige Fragmentierung durch zu viele Standards vermieden werden.


„Eine transparente Unternehmensberichterstattung fördert das Vertrauen” Klaus-Peter Naumann
 

Auf breite Ablehnung stießen vor allem die Überlegungen, EU-spezifische Anpassungen der International Financial Reporting Standards vorzunehmen: Die einheitliche Anwendbarkeit der IFRS ist in einer globalisierten Welt wichtiger denn je. Das IDW hat seine Sichtweise durch eine Eingabe sowie durch Unterstützung der Accountancy Europe-Eingabe vermittelt. Unsere wichtigsten Punkte finden sich im IDW Positionspapier: Fitness Check on the EU Public Reporting Framework for Public Reporting by Companies.
Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

Accountancy Europe

Der europäische Gesetzgeber und die Berufsvertretung „Accountancy Europe“ sind wichtige Mitstreiter, wenn es um unseren Berufsstand geht. Wie gestaltet sich die Arbeit mit Accountancy Europe und gibt es darüber hinaus auch bilaterale Kontakte?
Das IDW arbeitet intensiv in den verschiedenen Gremien von Accountancy Europe mit. Von 2016 bis 2018 war unser früherer Verwaltungsratsvorsitzer Prof. Dr. W. Edelfried Schneider Präsident des Accountancy Europe und konnte dort wertvolle Impulse auch für unseren Beruf setzen. Es besteht ein regelmäßiger Austausch mit den Mitarbeitern von Accountancy Europe zu verschiedenen Themen, wie z. B. Verschwiegenheitspflicht, Geldwäsche, Whistleblowing oder die Auditreform-Debatte in UK. Wir kümmern uns aber nicht nur um die multilateralen Kontakte innerhalb von Accountancy Europe, sondern stehen auch mit den Berufsverbänden in den anderen EU-Mitgliedstaaten in Kontakt.


„Wie arbeiten intensiv in europäischen Gremien mit“ Klaus-Peter Naumann


Wir tauschen uns mit Kollegen aus anderen Ländern zu Fragen aus, die aktuell nicht auf dem gesamteuropäischen Tapet liegen, uns aber dennoch beschäftigen. Dazu gehören z. B. – politisch – die öffentliche Erwartungshaltung gegenüber dem Berufsstand oder – technisch – der Umgang mit ISA.



 
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Arbeit des Bankenfachausschusses

Der Bankenfachausschuss des IDW ist auf vielen, durchaus kritischen Gebieten aktiv. Was können Sie uns zu aktuellen Themen berichten?
Wirtschaftsprüfer führen bei der Abschlussprüfung von Kreditinstituten sogenannte aufsichtliche Prüfungen durch. Besonderheiten dieser Anforderungen und Vorgaben von den Aufsichtsbehörden an Wirtschaftsprüfer führten dazu, dass über die Jahre einige Anwendungsfragen entstanden. Ein diesbezüglicher Entwurf des IDW (IDW EPS 526) wurde von der Aufsicht allerdings kritisch aufgenommen. Wir stehen in einem intensiven Austausch mit der BaFin, also der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, und der Deutschen Bundesbank zur Konkretisierung der Anforderungen an solche Prüfungen.
Darüber hinaus beschäftigt sich der BFA aktuell mit der handelsrechtlichen Bilanzierung von Pauschalwertberichtigungen bei Instituten. Diese ist zurzeit in einer Stellungnahme aus 1990 geregelt. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Risikomanagementsysteme weiterentwickelt. Der BFA hat daher den Entwurf einer neuen Verlautbarung erarbeitet (IDW ERS BFA 7). Die Verlautbarung stellt klar, dass Institute auch bei der Bildung von Pauschalwertberichtigungen nach HGB moderne Risikoklassifizierungsverfahren heranziehen sollen, wenn solche Verfahren für interne Risikosteuerungszwecke genutzt werden.


„Wir wirken bei der Umsetzung von Solvency II auf eine einheitliche Vorgehensweise hin“ Klaus-Peter Naumann
 

Außerdem geht es um die Frage, inwieweit Wertminderungen, die nach IFRS 9 ermittelt wurden, für Zwecke der handelsrechtlichen Bilanzierung herangezogen werden können. Diese Fragestellung könnte über den Financial-Services-Bereich hinaus auch für andere Unternehmen relevant werden.
Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt des BFA betrifft die Auswirkungen der bevorstehenden Ablösung bestimmter Referenzzinsen, z. B. des EONIA und EURIBOR, auf Abschlüsse nach HGB und IFRS. Im besonderen Fokus stehen dabei u. a. die Auswirkungen auf die Fortführung von Bewertungseinheiten sowie die Ermittlung von beizulegenden Werten durch Abzinsung von Cashflows.
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Arbeit des Versicherungsfachausschusses

Ein IDW Prüfungsstandard befasst sich mit den Solvabilitätsübersichten, worum geht es genau?
Nach den Vorgaben der Solvency II Richtlinie sind Versicherungsunternehmen verpflichtet, für aufsichtsrechtliche Zwecke eine Solvabilitätsübersicht zu erstellen. Hierbei handelt es sich um eine unter Beachtung aufsichtsrechtlicher Ansatz- und Bewertungsvorschriften zu erstellende Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva, mit der die vorhandenen Eigenmittel bestimmt werden. Diese Solvabilitätsübersicht hat der Abschlussprüfer eines Versicherungsunternehmens zu prüfen und gesondert über das Ergebnis zu be richten. Um den Berufsstand zu unterstützen und auf eine einheitliche Vorgehensweise hinzuwirken, hat der Versicherungsfachausschuss den IDW PS 580 für die Prüfung der Solvabilitätsübersicht erarbeitet. In der Verlautbarung werden die Prüfungsanforderungen für die Prüfungsplanung und -durchführung sowie für die Berichterstattung – vor allem für die Erteilung des Prüfungsvermerks – dargestellt.
Mit welchen weiteren Themen beschäftigt sich derzeit der Versicherungsfachausschuss?
Da ist z. B. der neue Standard IFRS 17 zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen zu nennen. Er wird zwar voraussichtlich erst ab 2022 verpflichtend anzuwenden sein, stellt aber sowohl die betroffenen Versicherer als auch die Prüfer aufgrund der komplexen fachlichen und technischen Umsetzungsanforderungen vor große Herausforderungen. Neben der aufwendigen IT-technischen Umsetzung stellen auch Auslegungsfragen des Standards für das deutsche Versicherungsgeschäft eine zentrale Herausforderung dar. Ein VFA-Arbeitskreis befasst sich daher mit Anwendungs- bzw. Auslegungsfragen. Wir haben dazu auch einen Austausch mit den relevanten Stakeholdern initiiert.
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Entgeltberichterstattung

Zur Unterstützung der Wirtschaftsprüfer hat das IDW ein Infopaket zur Entgeltberichterstattung zusammengestellt. Können Sie uns die Kernpunkte erläutern? Zunächst wird ausgeführt, dass solche Unternehmen, die zwar grundsätzlich in den Anwendungsbereich fallen, die jedoch zulässigerweise die Befreiungsmöglichkeit zur Aufstellung eines Lageberichts in Anspruch nehmen, keinen Entgeltbericht erstellen müssen. Ferner wird klargestellt, dass es keine Pflicht zur Entgeltberichterstattung auf Konzernebene gibt. Auswirkungen auf den Bestätigungsvermerk können sich ergeben, wenn der Entgeltbericht als Bestandteil eines Geschäftsberichts des Unternehmens als sonstige Information anzusehen ist und mithin vom Abschlussprüfer gelesen und gewürdigt werden muss. Auch wenn den Abschlussprüfer keine expliziten Prüfungs- und Berichtspflichten treffen, ist das Thema für den Prüfer gleichwohl relevant. Den Abschlussprüfer trifft regelmäßig eine im Prüfungsbericht für das Folgegeschäftsjahr zu erfüllende Redepflicht, wenn ihm anlässlich der Durchführung seiner Abschlussprüfung Tatsachen bekannt werden, die erkennen lassen, dass das geprüfte Unternehmen pflichtwidrig keinen Entgeltbericht erstellt und/oder veröffentlicht hat.
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DCGK

Ein spannendes Thema ist immer wieder die Unternehmensführung. Hier hat die Deutsche Corporate Governance-Kommission Anpassungen im Kodex realisiert. Wie kommt das IDW ins Spiel? Der Wirtschaftsprüfer spielt im deutschen Corporate-Governance-System eine wichtige Rolle. Als unabhängiger Vertrauensdienstleister unterstützt er u. a. Aufsichtsräte bei der Wahrnehmung ihrer Überwachungsfunktion. Als Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex bringe ich neutrale Sichtweisen des Berufsstands in die Diskussionen zur Anpassung des Kodex ein. Dieses Mal haben wir insbesondere intensiv über die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats und die Vergütung des Vorstands diskutiert. Die Anforderungen an die Unabhängigkeit von Anteilseignervertretern im Aufsichtsrat wurden schließlich konkretisiert. Zielsetzung der neuen Kodex-Regelungen zur Vorstandsvergütung ist es, richtige Anreize für das Vorstandshandeln zu schaffen, erbrachte Leistungen angemessen zu vergüten, auf die gesellschaftliche Akzeptanz zu achten und weitergehende Transparenz zu schaffen. Darüber hinaus wird der bisher im Kodex verankerte Corporate-Governance-Bericht abgeschafft und die Erklärung zur Unternehmensführung zum zentralen Instrument der Corporate-Governance-Berichterstattung gemacht. Auch dies soll der Transparenz dienen. Der Verabschiedung des neuen Kodex war ein längerer Konsultationsprozess vorgeschaltet. Als IDW haben wir uns auch hieran mit einer Stellungnahme beteiligt.


„Der Wirtschaftsprüfer spielt im Corporate-Governance-System eine wichtige Rolle“ Klaus-Peter Naumann


 

Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

Brexit

Der Brexit – ein Dauerthema in der Öffentlichkeit und im Berufsstand. Wie gehen die Wirtschaftsprüfer mit den Folgen um?
Der Berufsstand ist in seiner Rolle als Abschlussprüfer oder -ersteller betroffen, sofern die ihn beauftragenden deutschen Unternehmen in erheblichem Umfang wirtschaftliche Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich unterhalten. Der Brexit wird sich regelmäßig auf die Geschäfte solcher Unternehmen und die Abbildung in der Rechnungslegung auswirken. Das IDW hatte sich bereits kurze Zeit nach dem Brexit-Referendum mit den Folgen für deutsche Unternehmen in einem Positionspapier auseinandergesetzt. Darin geht es um steuerrechtliche Implikationen und mögliche Auswirkungen auf die handelsrechtliche und die IFRS-Rechnungslegung deutscher Unternehmen. Hervorgehoben werden etwa Themen wie außerplanmäßige Abschreibungen auf Vermögensgegenstände, die Werthaltigkeit aktiver latenter Steuern und die Dotierung von Rückstellungen, z. B. den Drohverlustrückstellungen. Auch Teile der Lageberichte, allen voran der Wirtschafts-, Risiko- und Prognosebericht, von Unternehmen mit Verbindungen zum Vereinigten Königreich werden brexitbezogene Ausführungen zu enthalten haben, um den Berichtsanforderungen des HGB und des Deutschen Rechnungslegungs Standards DRS 20 gerecht zu werden. Für weitere Fragen haben der FAB und der BFA zudem eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese diskutiert u. a., welche bilanziellen Konsequenzen sich im Falle eines „harten” Brexit aus dem dann ggf. erforderlich werdenden Wechsel von einer britischen zu einer in der EU ansässigen zentralen Gegenpartei eines Derivats ergeben würden. Dadurch, dass inzwischen die European Securities and Markets Authority (ESMA) das London Clearing House als zentrale Gegenpartei im Sinne der EMIR, also der European Market Infrastructure Regulation, anerkannt hat, wurde die aus Sicht der betroffenen Unternehmen derzeit dringendste Frage weitgehend beantwortet.
Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

Geldwäsche

Noch etwas anderes steht häufig im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung, der Unternehmen und auch bei uns: die Geldwäsche. Das IDW hat mehrere Aktivitäten verfolgt. Welche sind das?
Dem Berufsstand fällt als Abschlussprüfer von (Kredit- und Finanzdienstleistungs-)Instituten sowie Versicherungsunternehmen auch die Aufgabe zu, zu prüfen, ob diese Unternehmen ihren Verpflichtungen nach dem Geldwäschegesetz nachgekommen sind. Um den Anforderungen und Erwartungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Financial Intelligence Unit, als deren „verlängerter Arm“ der Abschlussprüfer angesehen werden kann, bestmöglich gerecht werden zu können und das gegenseitige Verständnis zu fördern, pflegt das IDW durch die Arbeitsgruppe „Geldwäscheprüfung“ einen engen und regelmäßigen Austausch mit diesen Behörden. An den dazu einmal jährlich stattfindenden Treffen haben im Jahr 2018 neben der BaFin auch erstmals Vertreter der FIU teilgenommen. Die mit den Behörden abgestimmten Ergebnisberichte werden allen IDW Mitgliedern auf der IDW Website zugänglich gemacht. Im Jahr 2018 hat erstmals die BaFin die zuvor allein von Branchenverbänden entwickelten sog. Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG nach vorangehender Konsultation der Praxis zur Verfügung gestellt. Die Hinweise sind für die nach dem GwG Verpflichteten und damit auch mittelbar für deren Abschlussprüfer von erheblicher praktischer Bedeutung. Das IDW hat sich sowohl in Form einer schriftlichen Stellungnahme als auch durch Teilnahme an einer Anhörung konstruktiv in deren Erarbeitung eingebracht. Darüber hinaus haben wir uns auch mit den (eigenen) geldwäscherechtlichen Pflichten eines Wirtschaftsprüfers als Verpflichteter nach dem GwG befasst. Insbesondere wurden die Empfehlungen für die Ausgestaltung des Risikomanagements zur Geldwäscheprävention in der Wirtschaftsprüferpraxis (IDW Praxishinweis 2/2012) sowie die im Qualitätsmanagementhandbuch enthaltene Mustergeldwäscherichtlinie an die geänderte Rechtslage angepasst.
Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

ESMA

Die EU-Kommission hatte im Herbst 2017 vorgeschlagen, durch Änderung der sog. ESMA-Verordnung den Einflussbereich der ESMA im Bereich der Rechnungslegung auszuweiten. Bei einer solchen Änderung hätte es nahegelegen, auch die Aufsicht über Wirtschaftsprüfer von den nationalen Behörden, in Deutschland WPK und Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS, auf die ESMA zu verlagern. Wie hat sich das IDW hier eingebracht?
Wir haben gegenüber dem Bundesministerium der Finanzen Stellung zu dem Verordnungsvorschlag genommen und darin das Erfordernis einer Europäisierung der Wirtschaftsprüferaufsicht in Frage gestellt. Dies geschah mit Blick auf den erst kurz zuvor ins Leben gerufenen Ausschuss der Europäischen Abschlussprüfungsaufsichtsbehörden (Committee of European Auditing Oversight Bodies, CEAOB) sowie das Subsidiaritätsprinzip der EU-Gesetzgebung. Auch wenn auf der EU-Ebene immer wieder Überlegungen geäußert werden, eine zentrale Berufsaufsicht über Wirtschaftsprüfer einzurichten, sehen wir dafür aktuell keinerlei Anlass. Der europäische Gesetzgeber hat die vorgeschlagene Ausweitung der Kompetenzen der ESMA auf die IAS-Verordnung und die Bilanzrichtlinie ersatzlos gestrichen. Eine europäische Wirtschaftsprüferaufsicht ist nach unserem Dafürhalten dadurch weniger wahrscheinlich geworden.


„Wir stellen eine Europäisierung der Wirtschaftsprüferaufsicht in Frage“ Klaus-Peter Naumann
 

Auswirkungen auf den Bestätigungsvermerk können sich ergeben, wenn der Entgeltbericht als Bestandteil eines Geschäftsberichts des Unternehmens als sonstige Information anzusehen ist und mithin vom Abschlussprüfer gelesen und gewürdigt werden muss.
Fragen an Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann

Monitoring Group und IFAC

Die Monitoring Group hat weitreichende Vorschläge zur Struktur der IFAC, also der International Federation of Accountants, erarbeitet und zur Konsultation vorgelegt. Das IDW gab dazu Stellungnahmen ab. Verliert die IFAC an Bedeutung?
Ich möchte zunächst klarstellen, dass die IFAC schon seit dem Entstehen des International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) keinen Einfluss mehr auf den Inhalt von dessen Standards ausüben kann. Gleiches gilt heute auch für den „Code of Ethics“ des International Ethics Standards Board for Accountants (IESBA). Die IFAC hat nur mittels eines „service agreement“ Ressourcen zur Verfügung gestellt, aber die Boards bestimmen den Einsatz dieser Ressourcen allein. Bis vor Kurzem hatte die IFAC durch das IFAC Nominating Committee unter Aufsicht des Public Interest Oversight Board (PIOB) Einfluss auf die Auswahl der Mitglieder der Boards, diese werden mittlerweile jedoch vom PIOB allein ausgewählt. Daher handelt es sich bei dem Vorschlag zur Ausgliederung der Standard-Setting Boards nur um „windowdressing“: Wenn die Monitoring Group diese Vorschläge umsetzen würde, verlöre die IFAC nur scheinbar an Bedeutung, da ihr diese schon lange nicht mehr zukommt. Der Verwaltungsapparat für das Standard-Setting macht allerdings einen erheblichen Teil der IFAC aus und sie würde durch eine Ausgliederung des Standard-Setting zu einer deutlich kleineren Organisation. Das IDW hat sich gegenüber den Vorschlägen der Monitoring Group sehr kritisch geäußert. Nach der derzeitigen Struktur besteht die Hälfte der Mitglieder in den Standard-Setting Boards aus Mitgliedern des Berufsstands. Die Monitoring Group schlägt vor, dass nur ein Drittel der Mitglieder aus dem Berufsstand stammen soll: Regulatoren, Investoren, usw. haben dadurch eine große Mehrheit. Außerdem wird der Einfluss der Regulatoren, die nur Interesse an Abschlussprüfungen von PIEs haben, ausgeweitet. Somit werden die Standards für die Prüfungen für kleine und mittelgroße Unternehmen weniger skalierbar sein. Aus diesem Grund hat sich das IDW dafür ausgesprochen, nur die Standards für die Abschlussprüfung von PIEs und die dazugehörigen Unabhängigkeitsregeln aus der IFAC herauszulösen.
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IAASB

Das IAASB veröffentlicht Diskussionspapiere, zu denen das IDW seine Position klarmacht. Welche Schwerpunkte können Sie uns nennen?
Die Wahrnehmung der Abschlussprüfung in der Öffentlichkeit ist für unseren Berufsstand sehr wichtig. Wir unterstützen daher, dass die internationalen Standardsetter Überarbeitungen unter dem Aspekt der Qualitätsverbesserung vornehmen. Allerdings müssen wir in letzter Zeit eine deutliche Tendenz zur Überarbeitung einzelner ISA feststellen, die zu wesentlich umfangreicheren und regelbasierten Standards führt. Dies ist besonders für die Abschlussprüfung im Mittelstand problematisch, da der Aufwand erheblich steigt, dies aber nicht unbedingt mit einer entsprechenden Erhöhung der Prüfungsqualität einhergeht. Ein prägnantes Beispiel liefert die jüngste Überarbeitung des ISA 540. Die Überarbeitung dieses Standards wurde vor allem von Regulatoren der Finanzbranche gefordert, bei der regelmäßig komplexe Schätzungen notwendig sind. Für andere Prüfungen führen sie aber zu einem nicht vertretbaren Aufwand, ohne dass daraus eine Verbesserung der Qualität resultiert. Aktuelle Beispiele liefern auch die Standardentwürfe zum Qualitätsmanagement innerhalb einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Der bisherige Ansatz der Qualitätskontrolle (ISQC 1) soll in das Qualitätsmanagement einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einfließen, gleichzeitig wird Freiraum gegeben, das Qualitätsmanagement an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Letzteres unterstützen wir sehr, nicht aber die detaillierte compliancebasierte Vorgehensweise, die nicht zwingend die Qualität der Auftragsausführung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verbessert. Wir verfolgen mit großem Interesse die aktuelle Veröffentlichung des IAASB zum Thema „Prüfung von weniger komplexen Einheiten“, die verschiedene Optionen zur Adressierung der ISA-Anwendung bei solchen Abschlussprüfungen zur Diskussion stellt.
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IESBA

Das IESBA veröffentlicht Diskussionspapiere und Standardentwürfe, zu denen das IDW Position bezieht. Was sind hier die wichtigen Punkte?
Da die kritische Grundhaltung eine Kernkompetenz des Abschlussprüfers ist, halte ich die Arbeit des IESBA zu dieser Thematik für besonders relevant. Aktuell wird diskutiert, ob das Konzept der kritischen Grundhaltung auf weitere Tätigkeiten außerhalb der Prüfung ausgeweitet werden soll. Unseres Erachtens kann die kritische Grundhaltung, die in jeder Abschlussprüfung einzunehmen ist, nicht einfach auf sämtliche Dienstleistungen übertragen werden, da sie eng mit der Würdigung von Prüfungsnachweisen verbunden ist. In Zusammenarbeit mit dem IAASB überlegt das IESBA, ob ein anderes Konzept zur inneren Haltung des Berufsmitglieds für alle anderen Aktivitäten auf alle berufstypischen Aktivitäten ausgeweitet werden kann.
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IPSASB

Vom internationalen Standardsetzer für die Rechnungslegung des öffentlichen Sektors (IPSASB) gab es eine Reihe von Konsultationen und Standardentwürfen, die bislang noch nicht behandelte Besonderheiten in der Rechnungslegung der öffentlichen Hand ansprechen. Wie sah die Reaktion des IDW aus?
Am brisantesten ist hier die Abbildung von Sozialleistungen. Erwartungsgemäß wurde hierüber sehr kontrovers diskutiert. Im Board gab es zu dem Entwurf keine einheitliche Auffassung, sodass mit den Vorschlägen auch eine alternative Sichtweise veröffentlicht wurde. Das IDW hat sich für diese Alternative ausgesprochen. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen konnten wir der Vorgehensweise des Entwurfs nicht folgen, warum bei sämtlichen Sozialleistungen maximal die Höhe der nächsten fälligen (wöchentlichen oder monatlichen) Auszahlung als Verpflichtung anzusetzen sei. Zum anderen: Ein Bürger wird nach Überschreiten des Rentenalters in der Regel bis zu seinem Tod mit einer Rente rechnen können und so eine berechtigte Erwartung an Zahlungen aus der Sozialversicherung haben, denen sich die öffentliche Hand faktisch nicht bzw. nicht komplett entziehen kann. Selbst wenn die Rente keine rechtliche Verpflichtung des Staates darstellt, handelt es sich doch um eine faktische Verpflichtung, die zu passivieren wäre. Die Beträge lassen sich anhand der versicherungsmathematischen Regeln auch relativ leicht ermitteln. Ohne den Ausweis solcher Verpflichtungen kann die wirtschaftliche Lage der öffentlichen Hand – auch im Hinblick auf kommende Generationen – nicht transparent dargestellt werden.